 |
Eine
Reportage von Fabian Schlosser
Wir
schreiben den 26. Januar 2002, 14:00 Uhr: Es ist ein sonniger Winternachmittag.
Rund 100 junge Menschen ziehen durch die Stadt Bern. Mit Schweizerfahnen,
Plakaten, Luftballons und Mikrofonen machen sie auf sich aufmerksam.
Die Truppe zieht zum Bundesplatz, wo sie sich schliesslich niederlässt
und lautstark ihre Argumente gegen einen UNO-Beitritt in die Welt
schreit. Die Kundgebung verläuft friedlich, bis zum Abschluss
eine dieser jungen Personen mit einer Tomate beworfen wird, worauf
die UNO-Gegner dies sofort als Zeichen ausgehender Argumente bezeichnen
und damit auch wohl nicht ganz Unrecht haben.
Diese
jungen Menschen sind nicht irgendwer. Sie gehören zur Young4FUN,
einem eigenständigen aussenpolitischen Verein, welcher sich
gegen UNO, EU und Nato einsetzt. FUN steht für Freiheit, Unabhängigkeit
und Neutralität. Der Young4FUN gehören mittlerweile fast
1000 Mitglieder in der ganzen Schweiz an und Sie verfügt auch
über eine Westschweizer und eine Tessiner Sanktion.
Zur
Geschichte: Als 1999 die Abstimmung über die Bilateralen Verträge
ins Rollen kam, taten sich ein paar junge Menschen zusammen, um
ein Referendum erreichen zu können. Als die 50'000 Unterschriften
endlich zusammen waren, war der Abstimmungskampf schon voll im Gange.
Entsetzt bemerkten diese Jungen, dass die AUNS (Aktion für
eine unabhängige und neutrale Schweiz) keine Kampagne startete
und die SVP (Schweizerische Volks-Partei) gar die JA-Parole beschloss.
Also setzten sich vier junge Leute zusammen um etwas gegen die Bilateralen
auf die Beine zu stellen. Bald einmal waren es über 100 Personen.
Der Verein "Jugend gegen Bilaterale" war geboren. Als
die Verträge dann doch angenommen wurden, wurde beschlossen,
man dürfe diesen Verein jetzt nicht auflösen. Es gebe
zuviel aussenpolitische Themen gegen die man etwas unternehmen müsse.
Somit entstand die Young4FUN.
"Das
FUN soll durchaus auch für Spass stehen", sagt Lukas Reimann,
Gründungsmitglied und heutiger Präsident, "wir wollen
den Jugendlichen auch zeigen, dass es Freude macht sich für
eine gute Sache zu engagieren. Zudem kann dies sehr bereichernd
sein." Das letzte Mal, als Young4FUN ein riesiges Engagement
an den Tag legte war, wie oben bereits kurz angetönt, bei der
UNO-Abstimmung. Rund 100'000 Flyers in deutsch, französisch
und italienisch wurden unter die Leute gebracht, Dazu kamen unzählige
SMS- und E-Mail-Aktionen sowie tonnenweise Kleber und Plakate. Auf
das darauf folgende Ja zur UNO antwortete man auf der Homepage mit
Schillers Worten: "Einen Kampf den man nicht aufgibt, hat man
nie verloren!"
Diese
Meinung sieht Lukas Reimann gar nicht als konservativ an. Sie sei
eher weltoffen, modern, zukunftsorientiert und zum Wohle aller.
Die Young4FUN bestünde nicht aus Isolationisten. Sie seien
für eine weltoffene Schweiz, die mit der ganzen Welt erfolgreich
Kontakte führt. Aber ausserhalb von undurchsichtigen Grossgebilden
die undemokratisch, bürokratisch und uneffizient agieren.
Auch
möchte Reimann die Young4FUN nicht als rechte Organisation
bezeichnen: "Die Medien haben uns gegenüber der Öffentlichkeit
zum Rechtsverein gepuscht. Die meisten unserer Mitglieder dürften
sicher auch eher in der Nähe der SVP anzusiedeln sein; aber
die Young4FUN ist eigentlich überparteilich. Der Grundgedanke
ist, ein Forum von rechts bis links zu sein. Ausserdem sitzt bei
uns mit Sonja Köppel ein Juso-Mitglied (JungsozialistInnen)
im Vorstand. Wir haben auch ein junges, grünes Mitglied, das
aus Umweltschutzgründen gegen EU, aus Anti-USA-Gründen
sowie wegen der Drogenpolitik gegen die UNO und aus kriegsablehnenden
Gründen gegen das Militärgesetz war. Man kann also durchaus
nicht behaupten, dass wir rechts sind. In den meisten anderen europäischen
Ländern sind die Wirtschaftsparteien für die EU und die
Linken dagegen. Also müssten in der Schweiz gerade die Grünen
und die Sozialdemokraten enorm EU-kritisch sein. Doch leider hinkt
die Mehrheit der Schweizer Linken der Realität noch hinterher."
Dies
ist auch der Grund, weshalb Young4FUN keine Stellungnahmen zu innenpolitischen
Themen abgibt. Schliesslich ist von der Juso bis zur jungen SVP
alles vertreten. Innenpolitisch sind die Meinungen der Mitglieder
völlig verschieden. Aber in aussenpolitischen Themen ist die
Meinung einheitlich.
Die
Young4FUN wird auch öfters mit unfairen Mitteln angegriffen.
Nicht nur, dass sie im Zusammenhang mit der UNO-Abstimmung briefliche
"Milzbrand-Attacken" mit weissem Backpulver erhalten hat.
Sie wird auch häufig als "Hinterwäldlerpolitik"
bezeichnet und mit Rechtsextremen auf die gleiche Stufe gestellt.
Für Reimann sind dies nur Zeichen dafür, dass jene, die
dies sagen, keine sachlichen, politischen Argumente mehr haben.
Hinterwäldlerpolitik sei für ihn eher, wenn man sich krankhaft
überall "öffnen" und alle Entscheidungen nur
noch Grossmachtsgebilden überlassen will. Mit Rechtsextremismus
hätte die Young4FUN überhaupt nichts zu tun, dies könne
er sachlich belegen, da es in verschiedenen Papieren festgehalten
sei. Jeder, der sich nur ein bisschen mit der Young4FUN befasse,
merke das sofort. Immerhin hätten sie auch ausländische
Mitglieder aus der ganzen Welt und damit hätte niemand ein
Problem.
Ich
finde es toll, dass es einen Verein gibt, der zeigt, dass die Jungen
nicht, wie dies öfters behauptet wird, geschlossen hinter EU,
UNO und Nato stehen. Immerhin zeigen diverse repräsentative
Umfragen (Jugend- und Rekrutenbefragung 2000, diverse Abstimmungsanalysen
usw.), dass die Jugendlichen heute eine wesentlich kritischere Meinung
zur Aussenpolitik haben als ihre Eltern. Dass sich die Mitgliederzahl
seit der Gründung fast verzehnfacht hat, spricht eine eindeutige
Sprache. Ausserdem kann die Young4FUN doch bei wichtigen Abstimmungen
eine eventuell entscheidende Rolle spielen. Denn bei den Argumenten,
welche sie auf ihren zahlreichen Flyers und auf ihrer Homepage beschreiben,
müssen die meisten Befürworter kapitulieren!
|