Durch die bevorstehende EU-Osterweiterung
wird sich der EU-Binnenmarkt schlagartig vergrössern, und die
weniger stark entwickelten Volkswirtschaften Osteuropas stellen
natürlich einen grossen Markt dar. Doch die EU-Finanzen werden
stark belastet, und auf die jetzigen EU-Mitglieder kommen hohe wirtschaftliche
und gesellschaftliche Belastungen zu. Die Kosten will Brüssel
offenbar teilweise auf die EFTA-Staaten abwälzen. Die überparteiliche
und gesamtschweizeirsche Jugendorganisation Young4FUN.ch fordert
den Bundesrat auf, standhaft und selbstbewusst gegenüber solchen
unhaltbaren Forderungen Brüssels aufzutreten.
Die 1960 begründete Europäische
Freihandelsorganisation EFTA besteht aus den vier Mitgliedern Island,
Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Bis auf die Schweiz sind
sie auch alle im EWR vetreten und haben dadurch den freien Zugang
zum EU-Binnenmarkt. Nun argumentieren EU-Vertreter, dass diesen
EWR-Mitgliedern durch die Erweiterung und den freien Zugang zu den
Märkten Osteuropas viele weitere wirtschaftliche Vorteile entstünden.
Das nehmen sie gleich zum Anlass, bei den bis April dauernden Verhandlungen
mit den EWR-Ländern eine 20fache Erhöhung der Beiträge
zu fordern. So sollen Island, Liechtenstein und Norwegen künftig
anstatt 24 Millionen Euro bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr zahlen.
Den Löwenanteil davon hätte Norwegen zu schultern.
Es besteht die Gefahr, dass die
EU die Schweiz genauso wie das reiche Norwegen zu schröpfen
gedenkt. So preschte ein Kommissionvertreter schon mit der Aussage
vor, dass es nur logisch sei, dass das EFTA-Mitglied Schweiz nun
auch einen höheren Obulus zu entrichten habe. Insbesondere
sei dies mit der Beteiligung am EU-Raum durch die bilateralen Verträge
zu begründen. Die EFTA selber wird ihre Position noch festzulegen
haben. Allerdings wünschen sowohl EU als auch EFTA, dass die
zur Debatte stehenden Bereiche des freien Personenverkehrs und der
Schweizer Beteiligung an der EU-Osterweiterung zusammen verhandelt
werden. Bern würde eine getrennte Behandlung präferieren.
Dazu ist anzumerken, dass die Schweiz
mit der EU-Osterweiterung kaum Vorteile auf sich zukommen sieht.
Der Bundesrat darf sich von Brüssel keinesfalls über den
Tisch ziehen lassen. Mit der Quellsteuer, in Transitangelegenheiten
und in vielen weiteren Fragen ist die Schweiz der EU sowieso schon
sehr entgegengekommen. Demzufolge hat der Bundesrat auch genug eigene
Druckmittel in den Verhandlungen, ein Umknicken wäre nicht
zu entschuldigen. Verhandlungsart und -rahmen kann und muss er selber
festlegen.
In Norwegen werfen "Nein zur
EU"-Bewegungen dem Aussenminister Petersen vor, in den Verhandlungen
mit der EU nicht hart genug zu sein, um zuhause dann gleich einem
EU-Beitritt - anstatt einer Nicht-Mitgliedschaft und hohen Kosten
- den Weg zu bereiten.
Wir fordern den Bundesrat auf,
seine Versprechungen bezüglich der Abstimmung über die
Bilateralen Verträge voll und ganz einzuhalten. Es soll hart
und ohne Beitritts-Hintergedanken mit der EU verhandelt werden.
Warum die Schweiz die Kosten der Osterweiterung mittragen sollte,
ist überhaupt nicht einzusehen.
Bisher war es nur eine Idee von
EU-Beamten. Nun will die EU-Kommission offiziell vorschlagen, von
der Schweiz einen Beitrag zu ihrer internen Strukturhilfe zu verlangen.
Die EU-Kommission will diese Forderung im Zusammenhang mit den Verhandlungen
erheben, die wegen der EU-Erweiterung beim freien Personenverkehr
nötig werden. Das bilaterale Abkommen, seit 1. Juni 2002 in
Kraft, muss auf 2004 um die zehn neuen EU-Mitglieder erweitert werden.
Wenn aber Bern auch nur so viel zahlen würde wie die EWR-Länder
bisher, wären das 83 Millionen Franken jährlich. Wenn
die Schweiz solchen unhaltbaren Forderungen nachgibt (ein entsprechender
Bundesbeschluss ist referendumsfähig), wird Young4FUN.ch (damals
als "Jugend gegen Bilaterale") ein zweites Mal das Referendum
gegen die Bilateralen Verträge unterstützen. Sie haben
bis jetzt in verschiedensten Bereichen Nachteile gebracht und eine
Ausweitung des freien Personenverkehrs auf die 10 Beitrittskandidaten
ist nicht im Interesse der Schweiz.
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