Armee muss sparen: Armee XXI-Befürworter ratlos, Young4FUN.ch bietet Lösungen an

Medienmitteilung vom 12. Februar 2003

Die Vorgaben des Bundesrates sind klar: An das zwei Milliarden schwere Entlastungsprogramm, mit dem die Bundesfinanzen wieder einigermassen ins Lot gebracht werden sollen, muss auch die Armee 120 Millionen beisteuern. Was man davon hält ist das Eine. Die Frage muss jetzt allerdings lauten, wie man damit umgeht. Samuel Schmid hat warnend darauf hingewiesen, dass dadurch "bestimmte Risiken nicht mehr versichert" (BernerZeitung 9.2.03) werden können. Die Armee XXI-Befürworter (inkl. VBS) geben sich ratlos. So hatten sie bisher doch immer darauf hingewiesen, dass für eine Umsetzung der Armee XXI mehr Finanzen benötigt werden.
Die Planer warnten: «Damit die Armee XXI ihr Leistungsprofil erfüllen kann, muss sie bis 2015 einen erheblichen Nachhol- und Weiterentwicklungsbedarf decken.» (Oberst im Gst Jakob Baumann, TID-Bulletin 3/2002) Wozu das Geld in der Armee XXI benötigt wird, macht Baumann in der selben Broschüre ebenfalls klar: "Ausserdem sind die Mittel für die Erhöhung des Anteils an militärischem Personal, für den Übergang zum Einjahresrhythmus des Wiederholungskurse, für die Intensivierung der Friedensfördernden Operationen und für die Kosten der Ausbildung im Ausland freizustellen." Fliesse kein zusätzliches Geld, könne die Armee das festgelegte Niveau gar nicht erreichen und falle unter das Niveau der Armee 95. Nötig würden dann «frühzeitige Absprachen für eine internationale Zusammenarbeit in der Verteidigung», also die Flucht in die Nato.
Nehmen wir die Aussage, wozu mehr Geld für die Armee XXI benötigt wird, unter die Lupe:
"Mittel für die Erhöhung des Anteils an militärischem Personal"
= Abschied von der Milizarmee durch Berufspersonal
--> unnötig
"den Übergang zum Einjahresrhythmus des Wiederholungskurse"
= massive Behinderung der Armeeangehörigen im Privat- und Wirtschaftsleben (bes. Jungunternehmer)
--> unnötig
"die Intensivierung der Friedensfördernden Operationen"
= der Ausbau von Auslandeinsätzen und die Schaffung von Sondereinsatzkommandos durch die Armee XXI
--> unnötig
(Gemäss dem Entwurf zum Bundesbeschluss für zivile, friedensfördernde Massnahmen im VBS sind allein für die Jahre 2004-2007 180 Millionen Franken vorgesehen. Dass das Wort "friedensfördernd" im Gegensatz zu "friedenserhaltend" auch erlaubt, an Kriegen mit dem Militär teilzunehmen und diese Einsätze unsere Neutralität und humanitäre Tradition verletzen und unsere Sicherheit gefährden, sei hier nur am Rande erwähnt.)
"die Kosten der Ausbildung im Ausland"
= Wir wissen es nicht. Aber wozu müssen sich unsere Armeeangehörigen oder Armeeplaner im Ausland ausbilden lassen?
--> unnötig
Das ist allerdings bei weitem nicht alles, was die Armee XXI an Zusatzkosten bringt. Wir müssen auch die Kosten (gemäss AargauerZeitung vom 27.10.02 bisher 10 Mio.) für die extern eingestellten Armee-Umbau-Berater (offenbar sogar ausländische, die dadurch in Geheimakten der Schweiz Armee Einsicht bekommen) und die Infrastrukturvorgaben zu Gunsten der Startkonfiguration der Armee XXI (z.B. millionenschwere neue Rekrutierungszentren für die hochumstrittene Aushebung XXI) mitzählen. Auch vom Konzept "Unsicherheit durch Kooperation" könnte man sich verabschieden und dadurch Millionen sparen. Müsste dadurch doch nicht die ganze Armee auf NATO-Standards umgebaut, Beiträge an internationale Bündnisse geleistet und Schweizer Vertreter an internationalen Militärkonferenzen teilnehmen. Die Armee XXI arbeitet in die andere Richtung. Zudem verschlingt der massive Umbau der Armee - die massive Neustrukturierung - in vielen Bereichen Millionen. Das sind alles nur Beispiele. Viele weitere Faktoren müssten berücksichtigt werden, um die riesigen Zusatzkosten für die Armee XXI vollständig darzulegen. Die ganzen Finanzprobleme wären nicht da, wenn sich die Armeeplaner wieder auf ihre Kernaufgaben konzentrieren würden und sich von der radikalen Armeereform XXI verabschieden würden.

Eine weitere Sparmöglichkeit sei nur nebenbei erwähnt:
Das VBS verzichte endlich auf ihren Propagandafeldzug mit Hochglanzbroschüren, Farbfolien, Musterreferaten sowie häufig erscheinenden Propaganda-Zeitungen an alle Armeeangehörigen. Insbesondere das Versenden von 500'000 aufwendig produzierten, 49-seitigen Hochglanzkatalogen und die Herstellung von CD-Roms als Staatspropaganda für die Armee XXI sparen nicht nur Millionen, sondern fördern auch die Demokratie. Auch mit den flächendeckenden Zeitungsinseraten, um das notwendige Personal für die Armee XXI rekrutieren zu können sowie der Einstellung von x Kommunikations- oder Marketingexperten als Propaganda-Strategen liessen sich Millionen sparen. Bei der überdimensionierten Bürokratie-Verwaltung vom VBS mit über 12'000 Angestellten liegt also ebenfalls Sparpotential.
Fazit: Die 120 Millionen könnten sich also locker einsparen lassen, wenn sich das VBS endlich von der radikalen Armeereform XXI zu einer vernünftigen und der Zeit angepassten Mängelbeseitigung der Armee 95 besinnen würden. Die Armee XXI-Befürworter sollten schnellstens umdenken anstatt zu nörgeln. Sonst endet dieser XXI-Wahnsinn im grossen Fiasko. Nämlich einem "Phantom der Planung", dem nur noch die "Flucht in die NATO" (Weltwoche 4/03) bleibt. Wir wollen eine Schweizer Armee, die sich wieder auf ihre Kernaufgaben konzentriert. Eine die Sicherheit der Schweiz garantierende Verteidigungsarmee kommt günstiger als radikale, auf die Abhängigkeit vom Ausland ausgerichtete Armeereformen. Dies obwohl mit der Armee XXI fälschlicherweise enorm wichtige Sicherheitsinstrumente abgeschafft werden.
Nur ein Nein zur Armee XXI erteilt der nicht finanzierbaren Radikalreform XXI eine Absage und ermöglicht eine vernünftige und zukunftsorientierte Mängelbeseitigung mit Mass, die im Gegensatz zur Radikalreform XXI erst noch unsere Neutralität, unsere Unabhängigkeit und unsere Sicherheit gewährleisten kann.

Quellen:
1. www.vbs-ddps.ch/internet/groupgst/de/home/generalstab/truppeninformationsdienst/information/tidbulletin/tidbulletin.Par.0033.DownloadFile.tmp/FinanzierungAXXI-d.pdf
(Oberst im Gst Jakob Baumann, TID-Bulletin 3/02)
2. BernerZeitung 9.2.03 "Rüstungsausgaben sind tabu"
3. http://www.admin.ch/ch/d/ff/2003/644.pdf
4. Aargauer Zeitung 27.10.02 "10 Millionen für Beraterhonorare"
5. http://www.vbs-ddps.ch/internet/vbs/de/home/reformprojekte/armee/publikationen.Par.0021.DownloadFile.tmp/Armee_d.zip
(Hochglanzbroschüre "Sicher mit uns - Armee XXI" - 1. Auflage 500'000)
6. Weltwoche 4/03 "Villiger vs. Villiger"
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