Calmy-Rey dilettiert sich in ihr Amt

Am Sonntag liess die neue Vorsteherin des EDA, Micheline Calmy-Rey, durch ihren Infochef Simon Hubacher Berichte, wonach sie nur für ein Treffen mit dem amerikanischen Aussenminister Colin Powell zum WEF nach Davos gehen würde, bestätigen. Zitat Hubacher: "Calmy-Rey will nur nach Davos gehen, wenn sie etwas Substanzielles erreichen kann."
Diese Aussagen sind in unseren Augen ziemlich bedenklich und werfen einige Fragen auf. Normalerweise sind bis zu drei Bundesräte, nämlich der Bundespräsident, der Vorsteher des EDA und der Vorsteher des EFD, am WEF anwesend. Selbstverständlich ist das WEF keine Veranstaltung der Schweizer Regierung, aber das Treffen so vieler hochkarätiger Vertreter aus der internationalen Wirtschaft und Politik wird gerne zum Knüpfen neuer und zum Pflegen alter Kontakte genutzt. Ausserdem ist es sehr nützlich, die Meinungen und Stimmungen der Anwesenden in Erfahrung zu bringen.
Da verwundert es wirklich sehr, dass die in ihrem neuen Arbeitsbereich noch unerfahrene und unbekannte Bundesrätin Calmy-Rey diese formidable Gelegenheit einfach an sich vorbeiziehen lassen möchte, wenn der amerikanische Aussenminister keine Zeit für ein Treffen hat. Es ist klar, dass ein Treffen der Bundesrätin mit Powell zu befürworten wäre. Schliesslich sind gute Beziehungen zu den USA in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht für die Schweiz nicht unbedeutend - was erstmal mit dem Kennenlernen der Amtsräger verbunden ist. Allerdings wäre es durchaus verständlich, wenn Powell keine Zeit für ein Treffen übrig hat, da er vieles mit anderen zu besprechen hat.
Also sieht das wahrscheinlichere Szenario so aus: Powell hat keine Zeit für ein Treffen, und Calmy-Rey - wenn sie denn ihre Aussagen wirklich ernst meint - bleibt dem WEF fern. Das würde einerseits die Anti-WEF-Demonstranten und -Randalierer in ihrem Irrwesen bestätigen und zweitens die anderen (Aussen-)Politiker dupieren. Wer will schon gerne mit jemandem zu tun haben, der sich nur für den Vertreter der letzten übrig gebliebenen Supermacht gut genug ist? Deswegen müsste man sich auch die Frage stellen, ob Calmy-Rey ihr neues Amt wirklich ihrem Schwur getreu auszuüben gedenkt oder ob sie nicht jetzt schon auf 2004 und einen eventuellen Departementswechsel wartet. Das wollen wir wirklich nicht hoffen und fordern Bundesrätin Calmy-Rey deswegen dazu auf, wenn immer möglich ein für die Schweiz vorteilhaftes Netz von Beziehungen und Kontakten im Ausland aufzubauen.
Sollte jedoch tatsächlich ein Treffen mit Colin Powell zustande kommen, sollte Bundesrätin Calmy-Rey peinlich genau darauf achten, dass sie die Schweizer Interessen und nicht ihre persönlichen Ansichten vertritt. Sollten sich die USA tatsächlich zu einem Militärschlag gegen den Irak entschliessen oder gar bereits entschlossen haben, so wird sich dies sicherlich nicht durch Calmy-Rey abwenden lassen. Das haben schon andere vor ihr probiert. Ausserdem liegen der Schweiz nicht die Fakten vor, um über Sinn/Unsinn eines Irak-Krieges zu entscheiden. Und nicht zuletzt ist es Präsident George W. Bush und nicht Colin Powell, der über einen Einsatz zu entscheiden hat.
Bundesrätin Calmy-Rey dürfte also auf keinen Fall gleich zu Beginn ihrer Amtszeit die Bush-Administration durch ein feindseliges Auftreten gegenüber Powell gegen sich aufbringen. Das heisst nicht im geringsten, dass die Entscheidungen von Bush zu teilen sind.
Doch erstens sollte die Schweiz dem in der Verfassung festgeschriebenen Neutralitätsprinzip folgen und nicht von selbst eingreifen, sondern höchstens auf Anfrage von aussen eine Vermittlerrolle übernehmen und die weltberühmten "guten Dienste" erweisen. Zweitens sind gute Beziehungen zu den USA unser ureigenstes Interesse.
Nochmals: Das heisst nicht, dass Kriege gebilligt werden müssen. Aber es ist auch nicht nötig, einen Diktator, der schwerste Verbrechen gegen sein Volk begeht, mit solch scharfem Ton gegenüber den demokratischen USA zu verteidigen.
Bundesrätin Clamy-Rey sollte sich mit Vorteil an die früheren Maximen der Schweizer Neutralitäts- und Aussenpolitik erinnern und nicht gleich grössenwahnsinnig und arrogant wie ihr Vorgänger auftreten.

Kontakt:
-----------------------
Young4FUN.ch
Postfach 569
9501 Wil SG
info@young4fun.ch
www.young4fun.ch
PC-Konto: 90-724162-3