Young4FUN.ch-Newsletter 52 vom 2. Februar 2003

1. Generalversammlung 2003
2. Referendum Armee XXI: Jetzt ist es amtlich
3. (Medienmitteilung) UNO beauftragt Libyen, weltweit die Menschenrechte aufzuheben
4. (Medienmitteilung) UNO toleriert willkürliche Hinrichtung von Tibetern
5. Brüssel befiehlt: Spielzeug für die Schweine!
6. Jugend-Europakonvent
7. Vertrag von Nizza tritt in Kraft
8. Planspiel zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP)
9. Von wegen gemeinsamer EU- Aussenpolitik...
10. Armee XXI: Phantom der Planung
11. EU=NATO
12. Calmy-Rey lässt sich vom "Blick" manipulieren
13. Referendum wegen EU-Zinsbesteuerung begrüssenswert
14. Forderung nach EU-Superaussenminister
15. Island will unabhängig bleiben
16. Slowenen geben Meinung am 23. März bekannt
17. Nein danke! Was die Briten zum Euro denken
18. Zwei Drittel der Norweger für EU-Beitritt
19. Impressum
20. Abbestellen

1. Generalversammlung 2003
An der Young4FUN.ch-Generalversammlung fassten die Delegierten nach intensiver Debatte und einem hervorragenden Referat von Heinrich Wirz einstimmig bei einer Enthaltung die Nein-Parole zur Armee 21. Im weiteren wurden 7 neue Vorstandsmitglieder gewählt, die den Vorstand kompetent verstärken. Eine Strukturreform und die dadurch notwendige Statutenrevision sowie das Grundsatzpapier, die Jahresrechnung 2002 und das Budget 2003 genehmigte die Versammlung. Speziell geehrt wurden die Neumitglieder Nr. 999, 1000 und 1001. Der Young4FUN.ch-Mitgliederzuwachs ist weiterhin ungebremst und dank 198 Neubeitritten im Jahr 2002 zählt Young4FUN.ch heute bereits 1019 Mitglieder. In den Jahresberichten blickten die Co-Präsidenten auf das Jahr 2002 zurück. Vieles wurde in Angriff genommen dieses Jahr, Erfolge und Enttäuschungen folgten aufeinander, aber eines blieb klar: Es bleibt viel zu tun! Dies wurde im Ausblick auf das Jahr 2003 schnell klar. Im Anschluss an die Generalversammlung hat Young4FUN.ch vor der Bundeskanzlei als Dankeschön an die zahlreichen jungen Unterschriftensammler eine Bar eingerichtet. Hier einige Links zur GV: Fotos der GV und der Bar: http://www.digitalema.com/kunden/gv-young4fun/ Jahresbericht D: http://www.young4fun.ch/young/gv/2003/jb_dech_2002.pdf Jahresbericht W: http://www.young4fun.ch/young/gv/2003/jb_wech_2002.pdf Neue Statuten: http://www.young4fun.ch/young/statuten.htm

2. Referendum Armee XXI: Jetzt ist es amtlich
Die Bundeskanzlei bestätigte inzwischen offiziell, dass von den 64'391 eingereichten Unterschriften 64'196 gültig sind und das Referendum somit zustande gekommen ist (siehe http://www.admin.ch/cp/d/3e3a3591_1@presse1.admin.ch.html). Nochmals vielen Dank an alle, die so stark mitgeholfen haben. Abgestimmt wird bereits am 18. Mai 03 und bis dann müssen wir alles geben. Der Weg ist nun frei für eine ehrliche Sachdiskussion über diesen radikalen Totalumbau unserer Armee.

3. (Medienmitteilung) UNO beauftragt Libyen, weltweit die Menschenrechte aufzuheben
Die UNO hat Libyen den Vorsitz der Menschrenrechtskommission zugesprochen. Young4FUN tritt dagegen an, dass sich die Schweiz über die UNO aktiv an Verbrechen in der ganzen Welt beteiligt. Mehr dazu in unserer Medienmitteilung: http://www.young4fun.ch/news/communiques/20januar2003.htm

4. (Medienmitteilung) UNO toleriert willkürliche Hinrichtung von Tibetern
Während des UNO-Abstimmungskampfes versprach der Bundesrat, sich in der UNO gegen Menschenrechtsverletzungen zur Wehr zu setzen und auch vor den im Sicherheitsrat vertretenen Mächten nicht in die Knie zu gehen. Das Beispiel Tibet lässt die Frage offen: Wie lange wird der Bundesrat noch schweigen? Young4FUN.ch fordert die Vorsteherin des EDA dazu auf, die Versprechungen des EDA bezüglich eines UNO-Beitrittes jetzt auch einzulösen. Mehr dazu in unserer Medienmitteilung: http://www.young4fun.ch/news/communiques/01februar2003.htm

5. Brüssel befiehlt: Spielzeug für die Schweine!
rn. (B)rüssel – Die Bauern müssen Spielzeug vor die Säue werfen – dies hat die EU-Kommission beschlossen. Jenen, die ihren Tieren den Teddybären verweigern, drohen bis zu 3 Monate Gefängnis. Damit im Saustall keine Missstimmung aufkommt und sich die Borstentiere nicht aus lauter Langeweile die Ohren abknabbern, müssen die Bauern ihnen sofort Spielzeug kaufen. Das ist beschlossene Sache und gilt für alle EU-Länder. 90 Tage haben die Farmer Zeit, um für ihre Schützlinge einen netten Teddybären oder ein paar Bälle auszusuchen. Nach abgelaufener Frist drohen happige Strafen. Spielverderber kassieren im besten Fall eine Geldbusse von 2200 Franken, im schlimmsten Fall landen sie für 3 Monate im Gefängnis. Durch das Spielzeug soll Schweinen laut offiziellen Auskünften aus Brüssel eine «freundlichere Umgebung» geboten werden. Der Pressesprecher: «Als Spielzeug gelten beispielsweise Fussbälle und Basketbälle. Bauern werden sie möglicherweise austauschen müssen, damit den Vierbeinern nicht langweilig wird. Verschiedene Farben sind erwünscht.» Und der Beamte meint es durchaus ernst: «Wir wollen nicht als Bevormunder rüber kommen, diese Regeln entstanden aus echter Fürsorge. Es ist wichtig, Schweine in ihrer Umgebung glücklich zu sehen», erklärte er. Auf die Äste rauslassen wollte sich der Pressesprecher dann aber nicht. Er nannte keinen favorisierten Spielzeug-Hersteller, denn bis anhin ist nicht bekannt, dass sich einer auf diese Zielgruppe spezialisiert hätte. Neville Meeker, ein britischer Bauer, hat gestern bereits einen Plastik-Flieger und einen grauen Teddy-Bären in den Saustall gelegt. Ein paar Ferkel schienen tatsächlich Gefallen zu finden und stürzten sich mit Begeisterung auf das Plüschtier. «Dieses Spielzeug wird keine 2 Minuten überleben», sagte Meeker zur Zeitung «The Times». «Ich muss etwas Stabiles finden, das mindestens 6 Monate hält. Holz ist allerdings unmöglich, denn die Säue könnten sich mit Splittern verletzen.» Und das dürfte nur der Anfang der Probleme sein. Da laut Gesetz pro Stall bloss ein Spielzeug anzuschaffen ist, stellt sich die Frage, ob sich die Schweine um das Objekt streiten werden – und sich im Kampf in die Ohren des Gegner verbeissen könnten. Etwas Positives kann Meeker der ganzen Sache aber doch noch abringen: Die Spielwaren-Geschäfte haben Ausverkauf! (Quelle: Blick online)

6. Jugend-Europakonvent
Vom 6. -­ 10. April 2003 veranstaltet die Forschungsgruppe Jugend und Europa in Berlin einen »Europakonvent« unter dem Motto »Erkundungen im europäischen Haus«. 105 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und den Nachbarländern (inkl. Schweiz) werden sich intensiv mit der Zukunft Europas beschäftigen und erhalten zum Abschluss Gelegenheit, ihre Hoffnungen, Erwartungen und Befürchtungen mit Mitgliedern des EU-Konvents zu diskutieren. Für die Unterkunft wird gesorgt, die Reisekosten werden teilweise erstattet. Bewerbungsschluss ist der 25. Februar 2003. Weitere Informationen: http://www.europakonvent.org Email: info@europakonvent.org

7. Vertrag von Nizza tritt in Kraft
Zum 1. Februar tritt der Vertrag von Nizza, den Irland als letztes Mitgliedsland nach einem zweiten Schein-Referendum im Oktober ratifziert hatte, in Kraft. "Der Vertrag bereitet den Weg für die erste friedliche Einigung des europäischen Kontinents. Nizza macht ausserdem effektiveres Arbeiten möglich, da in vielen Bereichen das nationale Vetorecht und die nationale Souveränität entfällt", erklärte dazu Kommissionpräsident Romano Prodi. Die ersten konkreten institutionellen Änderungen werden im Jahr 2004 sichtbar. Im Zuge der Erweiterung werden bei den im Juni 2004 anstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament Europas Bürger 732 statt bisher 625 Volksvertreter bestimmen.

8. Planspiel zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP)
Interessierst Du Dich für die EU? Möchtest Du wissen, wie in der EU Sicherheitspolitik gemacht wird? Wolltest Du schon immer mal aktiv im Krisenmanagement sein? Dies ist Deine Chance in das Thema einzusteigen oder Dein Wissen in diesem Bereich zu vertiefen! Ausschreibung: Am Samstag den 15.02.2003 findet am GSI (München), Oettingenstr. 67, ein Planspiel zur Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) statt. Das von der Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für Angewandte Politikforschung entwickelte Planspiel simuliert die Verhandlungen und Entscheidungsfindung im Rat zur zukünftigen Ausgestaltung der ESVP und die Evakuierung von EU-Bürgern aus einem Krisengebiet. Die Simulation wird von 09.00Uhr bis 17.00Uhr dauern, und umfasst eine inhaltliche Einführung, Strategiephase, Beratungsphase und Entscheidung des Rates. Für einen Mittagsimbiss und Getränke wird gesorgt. Jeder Teilnehmer erhält mit Abschluss der Simulation eine Aufwandsentschädigung von 25 Euro! Anmeldeformulare können bei info@young4fun.ch bestellt werden.

9. Von wegen gemeinsamer EU- Aussenpolitik...
am. Ein Pfeiler der EU ist die GASP (Gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik). Chavier Solana ist der Beauftragte der EU, der diese Aussenpolitik kooridinieren sollte und die EU gegen "aussen" mit einer Stimme vertritt. Soweit jedenfalls die Theorie. In der zentrale Fragen pro oder kontra Irakkrieg könnten aber die Meinungen der EU- Staaten nicht verschiedener sein. Deutschland lehnt einen Krieg kategorisch ab. Frankreich ist eher zurückhaltend und abwartend. England, Italien, Spanien und die zukünftigen EU- Staaten wie beispielsweise Polen stehen uneingeschränkt hinter den USA. Insgesamt also traute Uneinigkeit gegen Innen wie gegen Aussen. Wo soll das nur hinführen?

10. Armee XXI: Phantom der Planung
Der Bundesrat hat entschieden: Das VBS muss 130 Mio. Franken sparen. Ein treffender Kommentar aus der Weltwoche: "(...) Die Sparübung steht im frappanten Gegensatz zur real praktizierten Politik. Ein aktuelles Beispiel: Vor dem 18. Mai, dem Datum der Referendumsabstimmung, wird der Bundesrat dem Volk das Reformprojekt «Armee XXI» nochmals eng ans Herz legen und ihm zureden, nur mit einer modernen, kleineren, beweglichen Armee könne das Land noch verteidigt werden. Kürzlich aber mahnten die militärischen Planer: «Damit die Armee XXI ihr Leistungsprofil erfüllen kann, muss sie bis 2015 einen erheblichen Nachhol- und Weiterentwicklungsbedarf decken.» Fliesse kein zusätzliches Geld, könne die Armee das festgelegte Niveau gar nicht erreichen, werde sie schon in zehn Jahren einen Technologierückstand aufweisen, der kaum mehr wettzumachen sei. Nötig würden dann «frühzeitige Absprachen für eine internationale Zusammenarbeit in der Verteidigung», also die Flucht in die Nato. Phantom der Planung Momentan ist für Verteidigungsminister Samuel Schmid denn auch nur die «Ausgangskonfiguration von Armee XXI» gesichert. Sparen Bundesrat und Parlament, bleibt deren Zukunft mehr als offen. Oder einfacher: Dann segnet das Volk an der Urne ein Phantom der Planung ab. (...)"

11. EU = NATO
mm. Zusehends verschmelzen EU und NATO. Gustav Hägglund, Vorsitzender des militärischen Kommitees der EU, hat bei einem Vortrag an der Universität Helsinki gesagt, dass die "europäische Säule der NATO" und die"Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik" mehr oder weniger fusioniert werden. Dabei schoss er gleich noch einen Pfeil Richtung Gastgeberland ab. Es sei nämlich völlig egal, ob sich Finnland für oder gegen eine NATO-Mitgliedschaft entscheide. Bis 2010 werde das keinen Unterschied mehr machen, da EU und NATO dann bezüglich Sicherheits- und Verteidigungspolitik austauschbare Begriffe seien. Damit führt er den Finnen, die momentan eine heftige Debatte über die NATO führen - die in einem Referendum gipfeln könnte - ihre Entmachtung durch die EU-Mitgliedschaft sehr schmerzhaft vor Augen. Auch die Österreicher werden sich beispielsweise noch zu wundern haben, dass sie dann ein de-facto-NATO-Mitglied sein werden. In Österreich findet nämlich ebenfalls noch immer eine Diskussion über die Pseudo-Neutralität statt. Selbiges ist in Schweden der Fall. Uns wollten die Politiker in Bundesbern ja immer weismachen, dass der EWR mit der EU nichts zu tun habe, dass UNO und EU in keinem Zusammenhang stünden, und EU und NATO erst recht nicht. 1992 wurde in einer denkwürdigen Abstimmung der spätere EU-Beitritt verhindert, und nach dem leider erfolgten UNO-Beitritt rutsche Deiss sofort heraus, dass dies ein weiterer Schritt in Richtung EU sei. Eine EU-Diskussion ist sinnvoll. Doch sie muss - was bis jetzt nie der Fall war - sachlich geführt werden. Sämtliche EU-Befürworter bestreiten vehement, dass ein EU-Beitritt zum NATO-Beitritt führe. Hier haben wir schwarz auf weiss, dass dem nicht so ist. Und zwar sogar vom Zuständigen in Brüssel. EU ist gleich NATO! Einmal mehr sehen wir uns auf unserem steinigen Weg bestätigt ... An dem Vortrag musste Hägglund übrigens auch zugeben, dass die Amerikaner die NATO inzwischen völlig missachten. http://ue.eu.int/pesc/military/en/L27-4en.pdf

12. Calmy-Rey lässt sich vom "Blick" manipulieren
mm. Ein Bundesrat ist zuallererst ein politisch ernannter Würdenträger, der in jedem Departement landen könnte. Wir hatten genügend leidvolle Erfahrungen mit dem früheren Vorsteher des EDA, Herrn Prof. Joseph Deiss, der ganz deutlich machte, dass er von den Konzeptionen der Schweizer Aussenpolitik - wie sie auch in der Verfassung festgeschrieben sind - wenig Ahnung hat. Da damit zu rechnen ist, dass ein Bundesrat in seinem Gebiet unter Umständen sehr wenig Ahnung hat, sind die Berater umso wichtiger. Vor kurzem erst hat sich bei der Affäre um das Eizenstat-Buch gezeigt, wie schlechte Berater Joseph Deiss hatte. Nun zur neuen Vorsteherin des EDA, Micheline Calmy-Rey. Um in Zukunft weniger Forschheit und dafür umso mehr Intelligenz walten zu lassen, hat sie am 17. Januar die Ernennung eines persönlichen Mitarbeiters und eines neuen Chefs von "Information EDA" bekannt gegeben. Siehe dazu auch http://www.admin.ch/cp/d/3e280c7f_1@presse1.admin.ch.html. Eigentlich sollten solche Ernennungen die besten strategischen Köpfe der Aussenpolitik treffen. Dieses Mal allerdings müssen wir uns ganz ernsthafte Sorgen machen. Denn der neue Informations-Chef des EDA, Herr Simon Hubacher, kann nicht gerade als solcher zählen. Mit der Aussenpolitik hat er sich sein ganzes Leben lang noch nie beschäftigt. Das kann man einem "Informations-Chef" ja noch verzeihen, der soll ja wohl einfach nur weiterleiten, was andere an Informationen an ihn weitergegeben haben. Idealbild ist das aber auch nicht gerade. Viel Schlimmeres lässt seine isherige Karriere erahnen. So ist es äusserst fraglich, ob der 1964 geborene Hubacher überhaupt in der Lage sein wird, unabhängig und stringent zu denken. Als Absolvent der Ringier-Journalistenschule und früherer Leiter der Politik-Sektion des Blicks bringt er dafür nicht das beste Zeugnis mit. Kurz gesagt: Es ist eine Schande, wenn unser Bundesrat auf solche Informationschefs zurückgreifen muss. Vielleicht sollten die Namenüberdacht werden - wie wäre es denn mit Manipulationschef? Der persönliche Mitarbeiter, den Calmy-Rey ernannt hat, lässt schon besseres erwarten. Denn Laurent Goetschel ist als Leiter des Nationalen Forschungsprogramms "Schweizerische Aussenpolitik" und vielfacher Autor guter Bücher ein sehr profilierter Kopf der Schweizer Aussenpolitik. Doch nicht zu früh frohlocken: Seine Schriften machen ganz deutlich, dass er die Aussenpolitik früherer Jahrzente exzellent analysieren kann. Kommt es jedoch zur heutigen, so lehnt er praktisch jede Neutralitätskonzeption, für die wir so sehr kämpfen, einfach ab. Diese Ernennungen lassen uns ahnen, was in Zukunft für ein Wind aus dem EDA wehen wird. Es wird ein scharfer Wind sein, der uns direkt ins Gesicht pfeift. Es wird viel Kraft und Mut brauchen, eine Anti-EU-Meinung gegen die zu erwartende Propaganda (das wird Herr Hubacher vom Blick blendend beherrschen) zu verbreiten.

13. Referendum wegen EU-Zinsbesteuerung begrüssenswert
mm. Am 16. Januar haben die Schweizer Privatbankiers verlautbaren lassen, dass sie gegen einen nachteiligen bilateralen Vertrag das Referendum ergreifen würden. Nachteilig wäre laut ihnen jede Einigung mit der EU, die zur "Erosion des Bankkundengeheimnisses" führte. Sobald es um ihren eigenen finanziellen Vorteil geht - und die übermächtigen USA sich nicht einzumischen gedenken - scheinen die Banker auch wieder dazu in der Lage zu sein, Politisches von sich zu geben. Und das nicht indirekt: Der Schweiz werde die "Rolle des Sündenbocks für EU-interne Probleme" zugedacht, so der Präsident der Vereinigung der Genfer Privatbankiers, Pierre Mirabaud. Mirabaud ist sich auch sicher, dass ein eventuelles Referendum Erfolg hätte. In beiden Punkten kann Young4FUN.ch dem Genfer nur zustimmen. Es ist altbekannt, dass diverse EU-Mitglieder und zum Beispiel auch Liechtenstein ihre Zustimmung zu verschiedenen Finanzregelungen - die sie eigentlich prinzipiell ablehnen - davon abhängig machen, dass mit der Schweiz so und so verfahren wird. Der Hintergedanke ist natürlich, dass die Schweiz sich das nicht bieten lasse und man deswegen eine gute Ausrede habe, dass man die Entscheide selber nicht unterstützt. Doch dieses Kalkül könnte danebengehen (was diesen Ländern übrigens eineäusserst heikle Situation bereiten würde), geht doch unser Bundesrat Brüssel wahnsinnig weit entgegen. Behält der Bundesrat seine bisherige Position bei, so wäre ein Referendum eigentlich unumgänglich. Es dürfte nicht schwer sein, dieses zu gewinnen. Selbst unter massivem Propagandabeschuss aus Bundesbern weiss das Volk nämlich sehr wohl, was Unabhängigkeit bedeutet, und wie sehr das Bankgeheimnis Bestandteil dieser Unabhängigkeit und Neutralität ist. Michel Dérobert, Geschäftsführer der Vereinigung Schweizerischer Privatbankiers, schlägt in dieselbe Kerbe: Denn die Schweiz habe die Zinsbesteuerung schon seit den 30er Jahren geregelt, was die EU immer noch nicht zustande gebracht habe. Derobért teilt sogar unsere Meinung, dass die Schweizer Unterhändler wohl schon zu weit gegangen seien. Insbesondere hat er aber die berechtigte Befürchtung, dass die EU bei weiteren Verhandlungen immer und immer wieder weitere Forderungen stellen würde. "Zweimal zahlen für das Gleiche ist nicht akzeptabel", so der kämpferische Geschäftsführer. Wir nehmen diese Aussagen und Forderungen erfreut zur Kenntnis. Es tut gut, nicht allein auf weiter Flur zu stehen. Selbstverständlich werden wir bei einem allfälligen Referendumsbeschluss - gegen was genau, wird noch viel Diskussionsstoff hergeben - aktiv zu dessem Zustandekommen beitragen.

14. Forderung nach EU-Superaussenminister
mm. Dieser Tage zeigt sich einmal mehr, wer in der EU wirklich die Macht hat. Wenn "kleine" Länder Vorschläge zu überfälligen Reformen in Aufbau und Verwaltung des Bürokratiemonsters aus Brüssel machen, so werden diese im besten Fall ignoriert und totgeschwiegen, im schlechtesten Fall von den "Grossen" in Grund und Boden gestampft. Sobald jedoch zwei "Grosse" sich zusammenraffen und einen Vorschlag machen, sind sie der Meinung, dass die kleinen Länder das einfach zu akzeptieren haben. Wie man allenorten liest und auch bei den diversen Treffen sehen kann, scheint die Achse zwischen Frankreich und Deutschland wieder aufgebaut. Dies gipfelt im von Chirac und Schröder gemeinsam unterbreiteten Vorschlag zu einer EU-Reform. Dieser Vorschlag beinhaltet im wesentlichen die Forderung nach einer Doppelspitze zur Führung der EU sowie einem EU-Aussenminister. Neben einem gestärkten Kommissionspräsidenten, der weiterhin durch das EU-Parlament gewählt wird, soll ein "EU-Präsident" bzw."EU-Vorsitzender" direkt durch die im Rat vertretenen Staats- und Regierungschefs gewählt werden. Ausserdem soll ein EU-Aussenminister eingerichtet werden, der dann die Aussenpolitik der EU leiten und festsetzen würde. Sämtliche Reformvorschläge sind extrem umstritten, da sich vor allem die kleineren Länder benachteiligt sehen. Das jetzige System, wo die Präsidentschaft alle sechs Monate zu einem anderen Mitgliedsland rotiert, ist ihrer Meinung nach der Zusammenarbeit viel zuträglicher. Für einen EU-Aussenminister gibt es teilweise Zustimmung, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Nationalstaaten weiterin ihre Aussenpolitik selber machen dürfen. Aus unserer Sicht sind die Vorschläge die reinste Katastrophe. Dass einfach zwei nicht gerade für Bescheidenheit bekannte Staats- und Regierungschefs den anderen ihre Ideen aufzwängen wollen, ist in der EU ja nicht unüblich. Dass aber die kleineren Staaten so stark an Gewicht verlieren würden, wenn sie nie mehr die EU-Präsidentschaft innehaben, verkleinert das Demokratie-Defizit der EU nicht im geringsten. Wenn es denn soweit kommen sollte, wird dieser "EU-Präsident" in einer Kungelrunde zwischen den Staatschefs ausbaldowert. Wahrscheinlich wird die Wahl auf einen altgedienten Politiker fallen, der zuhause entsorgt werden muss. Dem Volk würde ein weiterer Herrscher vorgesetzt, derüberhaupt keine demokratische Legitimation vorzuweisen hat. Diese möglichen Änderungen müssten eigentlich dazu führen, dass sich die Schweizer Bevölkerung noch viel deutlicher gegen einen EU-Beitritt ausspricht. Oder soll unsere Aussenpolitik dereinst durch Brüssel bestimmt werden? Das wollen wir uns ja in den schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen. Jedenfalls bestätigen uns diese Vorschläge darin, unseren harten Kampf gegen jedwede Annäherung an die EU und einen EU-Beitritt der Schweiz mit vollster Motivation weiterzuführen.

15. Island will unabhängig bleiben
mm. Island, das wie die Schweiz eines der vier EFTA-Mitglieder ist und ausserdem auch dem EWR beigetreten ist, wird nach Volkes Stimme in der nächsten Zeit wohl kaum der EU beitreten. In Umfragen stellt sich eine Mehrheit von 46% gegen einen EU-Beitritt. 26% sind dafür, und die restlichen 28% haben ihre Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen. Island ist wohl fast das einzige Land Europas, in dem auch die Regierung nicht das geringste Interesse daran zeigt, der EU beizutreten. Hauptgrund sind die Zwistigkeiten mit Brüssel über das Fischereirecht. Quelle: http://www.euobserver.com/index.phtml?sid=9&aid=9032

16. Slowenen geben Meinung am 23. März bekannt
mm. Jetzt hat sich die Regierungskoalition darauf geeinigt, den Slowenen am 23. März dem Volk die Frage des EU- und NATO-Beitritts in einem konsultativen Referendum vorzulegen. Das Ergebnis ist zwar nicht bindend. Deswegen hat die Koalition bekanntgegeben, eine spezielle juristische Regelung einzusetzen, wonach sie das Ergebnis respektieren würde. http://www.euobserver.com/index.phtml?aid=9049

17. Nein danke! Was die Briten zum Euro denken
mm. Unter Premierminister MacMillan wurde in den 50er Jahren beschlossen, dass Grossbritannien lieber die Vorteile eines riesigen Marktes durch die Commonwealth-Länder ausnutzen und sich deswegen nicht an die damalige EWG und heutige EU binden möchte. Als dann festgestellt wurde, dass es dem Vereinigten Königreich wirtschaftlich schlechter ging als den Ländern der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft, trat es 1975 unter Premierminister Wilson doch noch bei. Allerdings hatte Grossbritannien danach eine wirtschaftlich äusserst schwierige Phase zu überwinden, die erst die Eiserne Lady zum Ende bringen konnte. Aber schon seit Beginn ist Grossbritannien in der EU immer ein wenig ein Spezialfall gewesen - zum einen, weil es eben eine Insel abseits des Kontinents ist, und zum anderen, weil das transatlantische Bündnis mit den USA besonders ausgeprägt ist. So entschied sich Grossbritannien denn auch, erst einmal abzuwarten und seine starke Währung nicht gleich für die Gemeinschaftswährung Euro aufzugeben. Nur so kann nämlich eine halbwegs eigenständige Währungs- und Finanzpolitik aufrecht erhalten werden, die nationalen Besonderheiten gerecht werden kann und nicht für einen völlig unterschiedlich entwickelten und heterogenen Kontinent gemacht sein muss. Allerdings kämpft der britische Premier Tony Blair, der auf absehbare Zeit von der äusserst schwachen und zerstrittenen Opposition nichts zu befürchten hat (Ian Duncan Smith, Anführer der Konservativen, wäre ein vehementer Euro-Gegner und EU-Skeptiker), nach anfänglichem Zögern jetzt immer entschlossener für den Euro. Glücklicherweise ist das britische Volk in der Lage, darüber in einem Referendum zu entscheiden. Dieses wird von Blair eventuell noch auf dieses Jahr angesetzt. Die neuesten Umfragezahlen werden ihn aber nochmals schwer ins Schwitzen bringen, denn ein direkter Angriff auf die stark in der Mehrheit befindlichen Euro-Gegner wäre eigentlich das Einzige, was ihn bei den nächsten Wahlen sein Amt kosten könnte. Also, nun zu den Zahlen. Laut der am 17. Januar bekannt gegebenen Umfrage von FX Currency Services wollen 61% der Briten ihr Pfund Sterling behalten, nur gerade 16% wünschen den Euro. Dieses überaus eindeutige Votum bezeugt sogar, dass die Briten beim Beobachten der wirtschaftlichen Entwicklung der Euro-Länder immer skeptischer werden, denn das Kontra-Lager konnte gegenüber der Juni-2002-Umfrage um 4% zulegen, während das Pro-Lager um 5% schrumpfte. Bei der detaillierten Analyse, die durch ein Link auf der Nachrichten-Seite der Zeitung Telegraph http://www.telegraph.co.uk/news/main.jhtml;$sessionid$UODUQKKHLC1XPQFIQM FSFGGAVCBQ0IV0?xml=/news/2003/01/17/neuro17.xml&sSheet=/news/2003/01/17/ ixhome.html zu erreichen ist, manifestierten sich noch gewisse regionale Unterschiede. In keiner Region jedoch liegt die Zustimmung zum Euro über 25%. Offensichtlich herrscht bei den Briten der gesunde Menschenverstand noch vor. Hoffentlich bleibt die Bevölkerung standhaft bei ihrer Meinung und lässt sich nicht durch Politiker einlullen, die ihre üblichen Tricks zur Umstimmung einsetzen möchten.

18. Zwei Drittel der Norweger für EU-Beitritt
mm. Einer Umfrage unter 1000 Norwegern zwischen dem 13. und 15. Januar zeigte einen überraschenden Stimmungswandel an. 1972 und 1994 lehnten die Norweger den EU-Beitritt jeweils ab. Hauptgrund war die überaus berechtigte Angst vor gravierenden finanziellen Belastungen. Nach der genannten Umfrage sind nun angeblich 67% für den EU-Beitritt, nur 33% dagegen. In Norwegen gibt es eine sehr starke "Nein zur EU"-Bewegung, die unter www.neitileu.no auch einen exzellenten Internetauftritt vorzuweisen hat. Für diese bisher erfolgreiche und recht breit in der Bevölkerung verankerte Bewegung löste die Meldung natürlich einen Schock aus. Vor der Diskussion noch kurze theoretische Anmerkungen zur Umfrage: Offensichtlich musste sich jeder Befragte entscheiden, denn normalerweise sind zwischen 10 und 30% der Leute unentschieden, wenn nicht mal ein Referendum direkt vor der Tür steht. Es ist durchaus möglich, dass sich die eigentlich Unentschiedenen dann wegen einer von den Medien suggerierten Stimmung oder wegen der Art und Weise der Befragung auf die Pro-Seite geschlagen haben. Zudem ist die Fehlermarge bei 1000 Befragten relativ gross. Alles in allem ist dieser Umfragewert deswegen nicht unbedingt so dramatisch, aber eine Mehrheit für den EU-Beitritt existiert momentan schon. Es scheint fast, als ob die Verhandlungen in Kopenhagen und der Beschluss, 10 weitere Länder in die EU aufzunehmen, den Umschwung ausgelöst haben könnten. Zudem stehen Norwegen, wie in einem der letzen Newsletter schon berichtet, als EWR-Mitglied Verhandlungen über die Beteiligung an den EU-Erweiterungskosten bevor. Die EU hat die in äusserst arroganter Manier unverschämt hoch angesetzt - vielleicht mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass dann viele Norweger denken, dass gleich ein EU-Beitritt eigentlich eher von Vorteil wäre. Auffallend ist, dass inzwischen angeblich jeder Landesteil für den EU-Beitritt wäre. Zwar gibt es immer noch regionale Unterschiede - im hohen Norden sind zum Beispiel "nur" 58% für den EU-Beitritt. Doch das Ganze suggeriert leider tatsächlich eine klare Volksmeinung. Die Parteien hingegen sind immer noch sehr gespalten. Premierminister Bondevik wird sich hüten, vorschnell ein Referendum anzusetzen. Denn seine Regierung, bestehend aus Liberalen, Konservativen und Christlichen, könnte daran zerbrechen. Die Sozialisten, 1994 noch stark im Kampf gegen die EU engagiert, sind inzwischen zu Befürwortern geworden, da sie der Meinung sind, dass nur eine starke EU den USA Paroli bieten und dass Norwegen alleine kaum mehr etwas erreichen könne. Bei den sogennant Christlichen hingegen ist inwischen der allegrösste Teil gegen den EU-Beitritt. Premier Bondevik bevorzugt übrigens die Variante mit zwei Referenden: Eines mit der Frage, ob wieder ein Beitrittsgesuch (nota bene: Die Norweger haben ihres im Gegensatz zum Schweizer Bundesrat nach dem Nein-Entscheid 1994 zurückgezogen) eingereicht werden solle, und eines über die Verhandlungsergebnisse als EWR- und EFTA-Mitglied. Dies ist an und für sich zu begrüssen, da so mit einem doppelten Nein Norwegen fast wieder völlig unabhängig von der EU agieren könnte. Allerdings werden neutralitätspolitische Gedanken kaum einen Einfluss haben, da Norwegen ja NATO-Mitglied ist. Die weitere Entwicklung dürfen wir gespannt abwarten. Wir wünschen unseren norwegischen Freunden von der "Nein zur EU"-Bewegung, dass sie sich nun nach diesem Schock umso mehr ins Zeug legen, die Leute über die vielen Nachteile der EU sachlich informieren können und dadurch in der Lage sind, die Verhinderung eines EU-Beitritts zu erreichen.

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