Young4FUN.ch-Newsletter 53 vom 9. Februar 2003

1. Armee XXI: „Manipulation pur!“, sagen auch die Medien
2. EU-Referendum auf Malta am 8. März
3. EU übernimmt Mazedonien-Mandat
4. Gold, Gold, Gold
5. Klägliches Scheitern von Barbara Ott beim Internationalen Strafgerichtshof
6. Irak: UNO-Invasion ?!
7. UNglaublich
8. Schweden sagt vorerst Nein zum Euro
9. Dänen strikt gegen Vereinigte Staaten Europas
10. Österreichische Umfrage über eine EU-Armee
11. Heisse Diskussion um die ersten EU-Verfassungsartikel
12. Impressum
13. Abbestellen

1. Armee XXI: „Manipulation pur!“, sagen auch die Medien
Während die Ringier-Presse sich im Verbund mit der NZZ auf die verschiedenen Referendumsinitianten einschiesst, richtet die Weltwoche in der aktuellen Ausgabe ihre Kritik wegen massiver Propaganda an die Adresse des VBS:
„Wer die Informationen hat, hat die Macht. Darum schiebt der Bundesrat das Projekt Öffentlichkeitsprinzip systematisch hinaus. 500000 grossformatige Farbbroschüren «Armeeleitbild XXI. Sicher mit uns» sind derzeit unterwegs zu den Bürgerinnen und Bürgern. Gleichzeitig gehen Tausende von CD-ROMs mit Standardargumenten zwecks Instruktion des militärischen Fussvolks an sämtliche Truppenkommandanten der (alten) Armee. Über eine Million Franken kostet die Information zur Armeereform. Die vermutete «Nähe zur Nato», das Reizthema des Abstimmungskampfs, fehlt darin. Was Zweck der Dokumentation ist.(…)“
Es ist höchste Zeit, dass sich auch die Medien der höchst fragwürdigen „Informationspolitik“ des Bundesrates beschäftigen. Die Weltwoche kommt zum Schluss, dass die Versorgung der Bürger mit wahrhaftiger Information nicht gerade „eine Herzensangelegenheit“ des Bundesrats sei.
Dem können wir uns nur anschliessen und darauf hoffen, dass auch andere Zeitschriften und Zeitungen nicht mehr blind der Propaganda des Bundesrats im allgemeinen und des VBS im speziellen folgen.

2. EU-Referendum auf Malta am 8. März
Nach der wochenlangen und hitzigen Debatte über das EU-Referendum hat der konservative Premier von Malta, Eddie Fenech Adami, das Referendumsdatum auf den 8. März festgelegt.
Damit wird Malta der erste Erweiterungs-Beitrittskandidat sein, der das Referendum abhält. Allerdings ist dieses Referendum nur konsultativ und nicht im geringsten bindend. Den bisherigen Umfragen zufolge wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der EU-Beitritt abgelehnt wird, bei Malta am grössten. Doch schlussendlich liegt die Entscheidungsgewalt eben nur bei Adami und seiner regierenden Partei.
Der Oppositionsführer und Vorsitzender der Labour Party, Alfred Sant, spricht sich ganz klar gegen einen EU-Beitritt aus. (Einen Abgeordneten der Malta Labour Party hatten wir ja zu unserer GV eingeladen, er musste leider wegen der Referendumsdebatte absagen. Er hat uns allerdings zugesagt, später einmal zu kommen.) Die Labour Party würde an Stelle eines Beitritts, der sehr viele negative Folgen haben kann, bei bestimmten sinnvollen Themenbereichen eine verstärkte Kooperation gutheissen.
Die Partei hat an ihrem Parteitag die Empfehlung abgegeben, beim Referendum entweder Nein zu stimmen, ungültige Stimmen abzugeben oder der Abstimmung fernzubleiben. Damit hat die Partei die einstmalige Forderung eines Boykotts des Referendums aufgegeben. Sie war nämlich zuerst dafür eingetreten, die EU-Frage mittels einer Parlamentswahl zu entscheiden, da ja nur das Parlament über den EU-Beitritt entscheidet.
TEAM, die europäische Allianz EU-kritischer Bewegungen, übt starke Kritik am Referendum. TEAM hat die Forderung nach gerechten Abstimmungen über den EU-Beitritt für die 10 Kandidaten gestellt und dafür 10 Kriterien aufgestellt.
Die Hauptpunkte wären eine gerechte Frage, genug Zeit für eine ausführliche und breite Diskussion, eine Förderung der Abstimmungsbeteiligung, eine gerechte Aufteilung der finanziellen Mittel auf beide Seiten, eine Überwachung des Referendums durch eine unparteiische Seite und die Unterbindung einer Einmischung z.B. von EU-Institutionen.
Hans Lindqvist, Koordinator von TEAM und ehemaliger Abgeordneter der schwedischen Zentrumspartei, sieht jetzt schon einige dieser Punkte verletzt. So wird das „Maltesische Informationszentrum“, Herz und Hirn der Ja-Seite, von der Regierung mit ca. 3 Millionen Franken unterstüzt, während die Nein-Seite etwas über 10'000 Franken erhält.
Sharon Ellul Bonici, Vorsitzende der neu gegründeten Bewegung „NO2EU – Yes to International Coorporation“ kritisiert ausserdem, dass die Malteser über etwas bis jetzt noch völlig Unbekanntes abstimmen müssten, da der Beitrittsvertrag von seiten der EU frühestens Mitte Februar vorgelegt wird.
Young4FUN.ch findet es sehr bedenklich, dass es gar nicht zu einer guten sachlichen Diskussion zwischen den beiden Seiten kommen kann, da die EU und die Malteser Regierung eine gerechte Abstimmung verhindern wollen.

3. EU übernimmt Mazedonien-Mandat
Im Rahmen des sogenannten „Partnership for Peace“-Programmes sorgt momentan die NATO in Mazedonien dafür, dass das Land nicht zusammenbricht und einigermassen Recht und Ordnung herrscht. Ob das freilich die beste Lösung für Mazedonien ist, soll hier nicht beantwortet werden.
Jetzt steht fest, dass die EU im März die „NATO Task Force Fox mission“ im März übernehmen wird.
Die EU wird die Krisenbewältigung mit 250 Truppen in Angriff nehmen, welche sich dabei dem Kommando von Admiral Rainer Feist, Stellvertreter des Obersten Befehlshabers der Alliierten Streitkräfte in Europa, unterstellt.
Damit übernimmt die EU als Gesamtorganisation das erste Mal ein militärisches Mandat. Dabei unterstützt die NATO den Ausbau des EU-Krisenmanagements und akzeptiert zumindest teilweise, dass die EU sich langsam aber sicher zu einem eigenständigen militärpolitischen Akteur mausert. Das wurde ja schon 1999 in der Deklaration „Allianz für das 21. Jahrhundert“ in Washington angedeutet, wo es doch so schön heisst, dass „die NATO die nötigen Arrangements für das Ermöglichen und Unterstützen EU-geführter Krisenoperationen bei Situationen, in denen die NATO sich nicht militärisch engagiert, einleiten wird“.
Beim EU-Gipfel Ende letzten Jahres in Kopenhagen wurden noch weitere Verträge zur engen Kooperation von NATO und EU unterzeichnet.
Somit ist für den Laien immer weniger ersichtlich, wann eigentlich die NATO und wann die EU zum Einsatz kommt. Die Grenzen verschwimmen, und die EU hat mit einer gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik (GASP) trotz der momentanen Kakophonie bei der Frage eines Irak-Krieges immer mehr die Absicht, als militärische Macht aufzutreten.
Dies längst nicht nur im Verteidigungsfall und überhaupt nicht im Einklang mit der Mehrheit der Bevölkerung.
Für uns ist das eine Bestätigung, weiterhin klar und entschieden gegen einen EU-Beitritt der Schweiz einzutreten.
weiterführende Informationen:
1. Ergebnisse des EU-Gipfels von Kopenhagen,
http://www.eu2002.dk/news/upload/conclusions_DER_CPH2002121323534.doc
2. NATO-Pressemitteilung „Allianz für das 21. Jahrhundert“, http://www.nato.int/docu/pr/1999/p99-064e.htm

4. Gold, Gold, Gold
Der scheidende Finanzminister Kaspar Villiger schien selber nicht so ganz zu wissen, wo der Hase denn nun entlangläuft. Vor kurzem noch schlug er zur allgemeinen Überraschung und vielerorts zur extremen Bestürzung den SVP-Pfad, zwei Drittel der sogenannt überflüssigen Gold-Reserven an die AHV weiterzuleiten, ein. Ein paar Tage später gab der Gesamtbundesrat dann bekannt, dass nun doch zwei Drittel des Goldes an die Kantone und ein Drittel an den Bund geht.
Dabei handelt es sich um nichts anderes als hinterlistigen Goldraub. Das Gold gehört dem Volk, es in die Kantone zu verpulvern, zeugt von einem katastrophalen Demokratieverständnis.
Doch hier soll es nicht darum gehen, welcher der Vorschläge von der SP, CVP, FDP, SVP oder dem Bundesrat der bessere sei.
Beim Betrachten der „Gold-Problematik“ im Lichte der Neutralitätspolitik müssen nämlich ganz andere Schlüsse gezogen werden – es stellt sich die Frage, ob das „überflüssige Gold“ überhaupt überflüssig ist.
In Krisenzeiten ist nur Gold in der Lage, die Neutralität zu gewährleisten. (Die Problematik im Zweiten Weltkrieg war ja, dass die Amerikaner einfach unsere Goldreserven in Amerika sperrten.)
Der Goldpreis schnellt in Krisenzeiten immer hoch. Gerade jetzt, wo ein Krieg eventuell bevorsteht, steigt er wieder. Und wenn es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen sollte, wird er regelrecht explodieren.
Kein Land der Welt – ausgenommen die Schweiz – verkauf zur Zeit Gold. Im Gegenteil, viele Regierungen kaufen Gold und horten es. Es ist auch bar jeder wirtschaftlichen Logik, täglich eine Tonne Gold zu verscherbeln, wenn die Preise andauernd steigen. So wird hart erarbeitetes Volksvermögen in Luft aufgelöst.
Um Freiheit, Unabhängigkeit und Neutralität unseres Landes auf Dauer absichern zu können, muss genügend Gold vorhanden sein.
Ein sofortiger Verkaufsstopp wäre aus neutralitätspolitischer Sicht wirklich das einzig Vernünftige.

5. Klägliches Scheitern von Barbara Ott beim Internationalen Strafgerichtshof
Barbara Ott, die Schweizer Kandidatin für einen der 18 Richterposten am künftigen Internationalen Strafgerichtshof, ist kläglich gescheitert. Nach dem 17. Wahlgang, in dem sie mit 17 von 57 Stimmen weit unter dem erforderlichen Zwei-Drittel-Mehr lag, gab sie entnervt auf. Im Fernsehen gab sie bekannt, dass sie danach erleichtert gewesen sei.
Dies ist eine grandiose Niederlage für Bundesbern, Calmy-Rey und das EDA sowie insbesondere die Schweizer „UNO-Mannschaft“. Deren „Lobbying“ – die fürstlichen Entlohnungen dieser „Diplomaten“ fallen natürlich dem Steuerzahler zur Last – ging offensichtlich gründlichst in die Hose.
In der Tagesschau schwadronierte ein Mitglied der UNO-Mission, dass die Wahl halt äusserst kompliziert sei, dass sich die verschiedenen Quoten negativ ausgewirkt hätten usw usw. Mit anderen Worten: Die Tagesschau musste hochbezahlte Diplomaten-Heissluft in die Schweizer Wohnzimmer senden.
Da die Kandidatin Barbara Ott höchst qualifiziert und sehr geeignet war und ist, muss die Schweiz in der UNO seit ihrem Eintritt extrem negativ beurteilt worden sein.
Sämtliche UNO-Arbeiten der Schweiz sind ja höchst geheim und demzufolge nicht öffentlich, weswegen mir nur Spekulationen übrig bleiben.
Die Schweizer UNO-Delegierten aus dem EDA müssen so viel Schwachsinn produziert haben, dass die Schweiz als UNO-Mitglied viel schlechtere Chancen bei solchen Wahlen hat, als es früher als Nicht-Mitglied der Fall war. Schon wird überlegt, ob Carla del Ponte gar nicht erst als Kandidatin für den Chefanklägerposten beim UNO-Kriegsverbrechertribunal antreten soll.
Es ist höchste Zeit, dass die miserable Arbeit des Schweizer UNO-Botschafters und der sonstigen UNO-Beschäftigten öffentlich gelegt und penibel durchleuchtet wird.
Kurze Bemerkung am Rande: Es ist wohl ein schlechter Witz, wenn Jenö Staehelin als Schweizer UNO-Botschafter von sich gibt, dass es ein Nachteil gewesen sei, dass schon im ersten Wahlgang der nötige Frauenanteil von 6 Richterinnen gewählt wurde. 6 von 18 bedeutet nach Adam Riese: ein Drittel! Es kann ja wohl nicht sein, dass so etwas akzeptiert wird, während gleichzeitig die UNO die Schweiz diffamieren darf, weil der Frauenanteil in vielen Berufsbereichen nur zwischen 30 und 50 % liegt. Mme Calmy-Rey blieb wenig überraschend ganz still.

6. Irak: UNO-Invasion ?!
Frankreich und Deutschland, die entschiedensten Gegner eines Irak-Krieges, haben nun ihren eigenen Plan vorgelegt. Demnach sollen auf Geheiss des UNO-Sicherheitsrates bis zu 50'000 Blauhelme eine vollständige Abrüstung des Irak sicherstellen. Scheinbar wurde dieser Plan schon seit Anfang des Jahres vorangetrieben, doch selbst US-Verteidigungsminister Rumsfeld musste von den Plänen aus den Medien erfahren.
Doch wirklich durchdacht ist dieser Vorschlag nicht. Denn die UNO hat bis jetzt wohl kaum ein grösseres Debakel als die von den Blauhelmen damals hilflos mitverfolgten Massaker in Bosnien erlebt.
Bei einigen zehntausend Blauhelmen wären auch Angriffe von Saddams Rumpf-Armee noch erfolgreich durchführbar, und insbesondere würden die Blauhelme als „Ungläubige“ ein Ziel für Selbstmordattentäter abgeben.
Ironischerweise hatten die USA ausserdem schon letzten Herbst einen ähnlich lautenden Vorschlag gemacht, der weder bei den Franzosen noch bei den Deutschen auf offene Ohren stiess.
Kaum zu verhindern wäre bei einem solchen Blauhelmeinsatz desweiteren, dass Saddam weiterhin sein Katz-und-Maus-Spiel betreibt. Sonst müssten schon einige hunderttausend Blauhelme den Irak relgelrecht invadieren.
Faktisch kämen auch einige Zehntausend einer Invasion und damit einem UNO-Protektorat Irak gleich. Das kann eigentlich niemand wünschen, da das Land so gründlichst zerbröseln könnte – man denke nur an die sezessionswilligen Kurden im Norden und Schiiten im Süden. Die Besatzung müsste auf mehrere Jahre hinauslaufen, es käme zu kompliziertesten Verwicklungen, die niemandem recht sein können.
Die Schweiz müsste für den unwahrscheinlichen Fall eines Erfolges dieser Initiative einen neutralitätspolitisch verträglichen Standpunkt ausarbeiten. Eine direkte Beteiligung müsste auf jeden Fall ausgeschlossen werden.
Doch für sämtliche Konsequenzen müsste die Schweiz im Falle des Falles als UNO-Mitglied die Verantwortung mittragen. Denn Frankreich und Deutschland könnten sich so auch elegant aus ihrer Position lösen: Bei einer Besatzung würde nämlich schon ein Übergriff von Seiten des Iraks, dessen Urheber nicht einmal klar sein müsste, dann für einen von der UNO abgesegneten Krieg ausreichen.
Für Bundesrätin Calmy-Rey wäre es dringendst angebracht, sich mit all diesen komplizierten Fragen auseinanderzusetzen.
Quelle: Der Spiegel, 10.2.2003

7. UNglaublich
Bei der UNO wird es immer bunter. Nachdem Libyen im März für die Session der UNO-Menschenrechtskonvention von vielen europäischen und afrikanischen Ländern mit 33 Stimmen und 17 Enthaltungen bei gerade einmal drei Gegenstimmen (unter anderem der USA) zum Vorsitzenden gewählt(!) wurde, kommen nun auch der Iran und der Irak zum Zuge. Diese beiden Länder, deren menschenverachtende Regimes nicht gerade sonderlich für das Hochhalten demokratischer Strukturen und einen vernünftigen Umgang mit gefährlichen Waffen bekannt sind, teilen sich nämlich den Vorsitz der UNO-Abrüstungskonferenz. Der Irak hat diesen vom 12. Mai bis zum 19. Juli inne.
Da taucht schon die Frage auf, wofür all diese Gremien, Kommissionen und Arbeitsgruppen überhaupt gut sind. Denn dass unter diesen Umständen nichts Vernünftiges erarbeitet werden kann, ist ja sonnenklar. UNO-Angestellte argumentieren sogar, dass dem Vorsitz des Irak gar keine Bedeutung zukäme, weil die Konferenz sowieso mehr oder weniger für nichts gut sei.
Dann sollte das Ganze doch gleich abgesagt werden. Es kann jedenfalls nicht im Interesse der Schweiz liegen, einem der menschenverachtendsten Regimes dieser Welt auch noch auf diese Art und Weise ein gewisses Mass an Absolution zu erteilen.
Oder freut sich die UNO etwa schon auf einen von beiden Seiten mit höchster Brutalität geführten Krieg, der hunterttausenden Unschuldigen das Leben kosten könnte?
In diesem Fall wäre es schliesslich möglich, dass im Mai ein Vertreter eines mehr oder weniger demokratischen und stabilen(?) Iraks bei der Abrüstungskonferenz den Vorsitz einnimmt.

8. Schweden sagt vorerst Nein zum Euro
Am 14. September diesen Jahres werden sich die Schweden in einem Referendum entweder für oder gegen die Einführung des Euro aussprechen. Den letzten Umfragen zufolge spricht sich eine knappe Mehrheit gegen den Euro aus. Diese Mehrheit kann sich durch den schwedischen Handelsminister Leif Pagrotsky bestätigt fühlen. Der Zeitung „Svenska Dagbladet“ sagte er: „ Dem neuen Vorschlag für das Wahlverfahren in der Europäischen Zentralbank EZB zufolge wäre Schweden auch bei einem Beitritt zur EMU (European Monetary Union, also dem Euro-Raum) kein vollwertiges EMU-Mitglied. Man kann vergessen, der Euro-Zone beizutreten, um einen Sitz an dem Tisch zu erhalten, wo die Entscheidungen gefällt werden. Die Schweden werden nicht gleichwertig Beteiligte sein. Wir werden bei den Entscheidungen nicht wirklich mitbestimmen können.“ Das zeugt doch von einer gewissen Frustration über die Institution der EZB und von einer Ablehnung der Euro-Übernahme. Der Minister hält nichts davon, dass bei der erweiterten EU eine Einteilung in drei Gruppen vorgenommen werden soll – also mehr oder weniger in solche Länder, die ganz viel zu sagen haben und wahrscheinlich fast im Alleingang etwas verhindern können, in andere Länder, die bei den Entscheidungen miteinbezogen werden und desweiteren in Länder, die eigentlich nichts zu melden haben.
Gunnar Lund, der im Wirtschaftsministerium für EMU- und Euro-Fragen zuständig ist, treibt die Einführung des Euro jedenfalls nicht voran. Selbst bei einem positiven Entscheid am 14. September wird Schweden noch auf Jahre hinaus nicht der Euro-Zone beitreten. Frühestens 2006 sei ein eventueller Umstellungsprozess abgeschlossen. Höchstwahrscheinlich wird die schwedische Krone ab 2005 an den Euro gebunden.
Damit haben die Schweden trotz einer EU-Mitgliedschaft momentan wenigstens noch in bestimmtem Ausmass die Möglichkeit, auf spezifische nationale Gegebenheiten und Probleme mit einer eigenen Finanz- und Währungspolitik zu reagieren.
Es ist gut möglich, dass sich die Euro-Zone nicht weiter vergrössern wird. Denn wenn sich nicht nur nach einem Jahr – so wie jetzt – sondern auch nach zwei oder drei Jahren weiterhin abzeichnet, dass der Euro der Wirtschaft insgesamt überhaupt nicht zuträglich ist, wird sich weder in Grossbritannien noch in Schweden eine Mehrheit für den Euro finden.

9. Dänen strikt gegen Vereinigte Staaten Europas, Euro-Einführung unklar
Drei Viertel der Dänen lehnen eine EU-Verfassung ab und sind damit gegen den ersten Schritt zu den „Vereinigten Staaten Europas“. Dies ergab eine von Statistics Denmark in Auftrag der „Bewegung gegen die EU“ durchgeführte Umfrage. Ole Krarup, EU-Parlamentarier dieser Bewegung meint, dass grosse Teile der dänischen Verfassung durch eine EU-Verfassung untergraben und verdrängt würden. Mit ihrem eindeutigen Votum zeigen die Dänen auch, dass sie sich und ihr Land durch eine solche Verfassung fast schon angegriffen sehen und auf keinen Fall ihre Identität verlieren möchten.
Nur das kann erklären, dass sich eine so klare Mehrheit gegen eine EU-Verfassung findet, wo doch gleichzeitig 59% die Einführung des Euro wünschen und 54% einer gemeinsamen EU-Sicherheitspolitik zustimmen.
Auch Charlotte Anderson, die EU-Sprecherin der liberalen Venstre-Partei, welche mit Anders Fogh Rasmussen den Premier der bürgerlichen Regierung stellt, spricht sich für das Beibehalten der jeweiligen nationalen Verfassungen aus.
Bezüglich einer Aufgabe der Krone zugunsten des Euro zeigt sich Ditte Staun von der „Bewegung gegen die EU“ sehr skeptisch. Viele Leute sähen zwar einen gewissen Vorteil in einer EU-weit einsetzbaren Einheitswährung. Doch schon beim Referendum im September 2000, das mit einem Nein endete, hätten Umfragen zu Beginn ein Ja signalisiert. Desweiteren könnte sich die Euro-Akzeptanz noch verringern, weil die Dänen keinen ständigen Vertreter bei der EZB stellen könnten und deswegen nur einen sehr beschränkten Einfluss auf die EU-Finanz- und –Währungspolitik hätten.
Ditte Staun befürwortet deswegen eine eigenständige Währungspolitik mit der eigenen dänischen Währung und einen eventuellen Einsatz des Euro als Parallelwährung in gewissen Bereichen.
Quelle: www.euobserver.com/index.phtml?aid=9097&sid=10

10. Österreichische Studie und Umfrage über eine EU-Armee
Die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (www.euro-info.net) hat im Januar eine Studie mit dem Titel „25 Armeen oder eine? Die Einstellung der Österreicher zu einer gemeinsamen Europäischen Armee“ veröffentlicht.
Besonders interessant ist die Diskussion über eine EU-Sicherheitspolitik in Österreich, da dort noch an einer – wenn auch durch die EU-Mitgliedschaft arg verstümmelten – Neutralität festgehalten wird. Allerdings wird diese meist von den regierenden Parteien systematisch ausgehölt. Bundeskanzler Schüssel hat schon laut über die komplette Aufgabe der Neutralität nachgedacht.
Die momentan für diese Neutrlität eintretenden Parteien – die SPÖ und die Grünen – verstricken sich jedoch andauernd in Widersprüche. Am besten zeigt sich dies bei der „Abfangjäger-Debatte“ – es geht um die kostspiele Anschaffung von 24 Abfangjägern, welche die alte schwarz-blaue Koalition zuerst befürwortete, im Wahlkampf dann aber noch geschickt aus der Diskussion heraushalten konnte. Die SPÖ und die Grünen sind nämlich gegen die Anschaffung. Doch dann besteht die Neutralität wirklich nur noch auf dem Papier, solange keine effektive. Der alte und wohl auch neue Bundeskanzler Schüssel hingegen strebt wohl weniger die Wahrung der Neutralität als vielmehr eine verstärkte Zusammenarbeit mit der NATO und ultimativ einen NATO-Beitritt an.
Es scheint so, als ob selbst die jetzige „Neutralität light“ aufgegeben würde.
Nun also zur Meinung der Bevölkerung.
Die genannte Umfrage ergab, dass 47% der Bevölkerung meinen, dass die EU zur Wahrung ihrer Interessen auf militärische Stärke angewiesen sei. Ebenfalls 47% meinen, dass dem nicht so sei.
Im Zuge der EU-Erweiterung auf 25 Mitglieder vertreten 73% die Ansicht, dass die jeweiligen nationalen Armeen zugunsten einer EU-Armee aufgegeben werden sollten. 63% wären für eine österreichische Beteiligung an einer solchen EU-Armee, und die Mehrheit spräche sich sogar für einen aktiven und nicht nur finanziellen Beitrag aus.
Diese gemeinsame EU-Armee sollte nach 82% als Freiwilligen-Berufsheer realisiert werden, und 77% wünschen reine friedensbewahrende Massnahmen und wollen damit prinzipiell nur eine Verteidigungsarmee. Gerade einmal 17% könnten sich auf für die „Erzwingung“ eines Friedens erwärmen.
69% denken, dass ein völlig selbstständiges Handeln einer EU-Armee Gebot sein müsse, während nur 34% der Befragten eine über die NATO geregelte Zusammenarbeit mit den USA befürworten.
Diese Ergebnisse sind sicherlich interessant und zeigen, dass die jetzige interventionistische Politik von Seiten der jetzigen EU-Mitglieder nicht wirklich gebilligt wird. Auch scheint die Ablehnung gegenüberder NATO ziemlich gross zu sein.
Doch neutralitätspolitische Folgen einer EU-Armee für Österreich scheinen den Befragten nicht wirklich klar zu sein. Denn fast zwei Drittel wären für eine österreische Beteiligung an einem EU-Verteidigungssystem, aber 69% sind der Ansicht, dass die „österreichische Neutralität“ dafür nicht aufgegeben werden müsse.
Offensichtlich hört sich der Begriff „Neutralität“ für viele Österreicher gut an, allerdings stehen weder Politiker noch Bevölkerung wirklich dahinter. Doch das verwundert nicht sonderlich, wo Österreich historisch gesehen noch nie im eigentlichen Sinne neutral war.
Hinsichtlich den USE, den United States of Europe, wären die Österreicher als Befürworter einer EU-Armee positiv aufgeschlossen. Erfreulich ist, dass sie eine reine Verteidigunsarmee wünschen.
Wer die genauen Resultate (mit diversen Aufschlüsselungen, z.B. nach parteipolitischen Präferenzen, Alter, Bildungsgrad oder Geschlecht) anschauen will, kann die gesamte Studie auf der genannten Internetseite herunterladen.

11. Heisse Diskussion um die ersten EU-Verfassungsartikel
Seit dem 6. Februar sind die ersten 16 Artikel der von Valéry Giscard d’Estaing präsidierten Versammlung unter http://european-convention.eu.int/docs/Treaty/cv00528.de03.pdf zu begutachten. Eine heisse Diskussion hat bereits begonnen. Sehr viele EU-Parlamentarierer übten Kritik am Vorgehen von Giscard d’Estaing und seiner Versammlung, da die Ergebnisse verschiedener Arbeitsgruppen sehr undurchsichtig selektiert wurden und scheinbar vor allem Vorschläge, die kaum Unterstützung erhielten, schlussendlich in den ersten Artikeln landeten.
Doch wenn es nur solche Probleme gäbe, wäre das wohl nicht der Rede wert. Vielmehr geht es um die Zielsetzung der 16 Artikel, denen sehr viel grundlegende Bedeutung zukommt.
Peter Hain, Vertreter der britischen Regierung, wehrt sich stark dagegen, dass die Wirtschaftspolitik von der nationalen in die EU-Domäne wechselt. Artikel 14, der die Aussenpolitik festlegt, sei ausserdem viel zu schwammig. Anderen wiederum geht dieser Artikel schon wieder zu weit.
Die Deutschen zeigten sich mit der Aufteilung der Kompetenzen zwischen Nationen und Union einigermassen zufrieden, die Franzosen möchten mit dem Urteil noch ein wenig abwarten.
Doch Gutes werden die momentan auf dem Tisch liegenden Vorschläge sowieso nicht bewegen. Es geht vornehmlich um Machtgerangel zwischen der Union, den Mitgliedern, den nationalen und dem EU-Parlament, der Kommission etc etc. Eine Demokratisierung beispielsweise findet gar nicht statt – Artikel 2 über die „Werte der Union“, den Valéry Giscard d’Estaing am liebsten schon jeden Grundschüler auswendig lernen lassen würde, besagt, dass „die Union auf den Werten des Respekts vor der Menschenwürde, der Freiheit und der Demokratie (…)“ basiere. Das über die Demokratie kann angesichts des riesigen demokratischen Defizits der Union – wogegen nichts unternommen wird – eigentlich nur mit Hohn und Spott zur Kenntnis genommen werden. Denn gleichzeitg werden, ziemlich geschickt versteckt, mehr und mehr Kompetenzen Brüssel zugeschanzt und der Handlungsrahmen der nationalen Parlamente und Regierungen wird extrem stark eingeschränkt.
Es bleibt abzuwarten, wie die Diskussion, die erst begonnen hat, enden wird. Aber der Kompromiss, der irgendwann dabei herauskommen wird, muss dann noch irgendwie (man denke an die wiederholten Abstimmungen in Dänemark und Irland, bis eben das „Richtige“ herauskam …) ratifiziert werden. Ob das mit 25 Mitgliedern klappt, ist sehr fraglich. Vor allem, weil es nicht nur um irgendeinen Vertrag, sondern schon um eine Verfassung für die „Vereinigten Staaten Europas“ ginge.
Insbesondere die britische Presse verriss die Vorschläge bis jetzt vollständig.

12. Impressum
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Redaktion: Markus Mathys

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