Liebe Freunde von Young4FUN,
liebi Fraue und Manne,
Neujahrswünsche*
Ich bedanke mich ganz
besonders herzlich bei den Initiatoren von Young4FUN, besonders bei meinem
Freund Lukas Reimann, heute hier im Namen der „Libertären Plattform in der FDP“,
sprechen zu dürfen. “. Die LP ist ein Zusammenschluss von radikalen und
authentischen liberalen Überzeugungstätern innerhalb der Partei des
organisierten Liberalismus in Deutschland, der FDP. Und genau die sind heute rar
gesät: Überzeugungstäter!
Mit dem Begriff Libertarians
schmücken sich in den USA seit etwa den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts
die Anhänger der Ideen eines klassischen Liberalismus. Der Liberalismus hatte
sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in unglücklicher Weise in Amerika
genauso wie in Kontinentaleuropa mit nationalistischen und zentralistischen
Machbarkeitsideologien verbündet und damit an Überzeugungskraft eingebüßt. Nun
könnte man freilich fragen, warum nennen sie sich nicht einfach weiterhin
Liberale? Die amerikanischen Freiheitsdenker, nicht zuletzt auch der vor den
Nazis geflohene Ludwig von Mises (immerhin Autor des 1927 erschienenen
Standardwerkes „Liberalismus“), der von sich selbst später sagte „Ich bin ein
Libertarian“, sahen sich vor allem durch den Bedeutungswandel im amerikanischen
Sprachgebrauch dazu veranlasst, ihren Ideen einen neuen Namen zu geben. Der von
ihnen schließlich verworfene Begriff liberalism war seiner ursprünglichen
Bedeutung durch semantische Taschenspielertricks von US-Präsident Franklin
Delano Roosevelt – des Erfinders des New Deal (den man laut Andreas K.
Winterberger durchaus als „demokratische Spielart des Faschismus“ verstehen
kann) – in sein Gegenteil verkehrt worden. Unter einem liberal versteht
man heutzutage jenseits des großen Teiches einfach einen Sozialdemokraten oder
gelegentlich auch einen „gegenkulturellen“ linksalternativen Radikalinski.
Der Libertären Plattform in
der FDP geht es darum, den Begriff des Liberalismus, der in den zurückliegenden
Jahrzehnten nicht nur von illiteraten und mit Grundsatztreue nicht allzu
beschwerten Parteipolitikern, sondern leider auch von anerkannten Theoretikern
(„Staatsintellektuellen“) überstrapaziert und zur Rechtfertigung von
Fiskal-Kleptokratie, Gruppen-Privilegien und Umverteilungsorgien missbraucht
wurde, von Verunreinigungen zu befreien. Der Sozialphilosoph Anthony de Jasay (www.DeJasay.org)
fordert seit langem die Beachtung der Trennschärfe zwischen dem verwahrlosten
Liberalismus (wie er im Selbstverständnis der politischen Klasse gepflegt
wird) und dem stringenten Liberalismus, wie er von den echten
Freiheitsfreunden vertreten werden sollte.
Man könnte auch sagen: der dem
21. Jahrhundert einzig angemessene Liberalismus ist der radikale
Liberalismus, oder auch: Radikal-Liberalismus. Bei der Begriffskombination
„radikal“ und „liberal“ handelt es sich um eine Tautologie. Die reale liberale
Parteipolitik hat uns andressiert, den Begriff „liberal“ mit „Mäßigung“,
„Kompromiss“ oder „Partei der Mitte“ zu assoziieren. Begriffe wie „radikal“,
„ideologisch“ oder „doktrinär“ gelten heute als ausgesprochen antiliberal. Der
Blick auf die Geschichte lehrt uns das Gegenteil.
Markus Somm hat es
dankenswerter Weise in der WELTWOCHE vor einiger Zeit auf den Punkt gebracht:
„Zentral für eine liberale
Partei ist heute das Verhältnis zum Staat. [...] Das ist nicht in erster Linie
ein ökonomisches Problem, das auch, sondern viel mehr steht auf dem Spiel.
Liberale verteidigen die Freiheit eines Individuums, zu tun und zu lassen, was
es will. In allen Bereichen. Je grösser der Staat, desto kleiner ist dieser
Spielraum. Darüber tröstet die Demokratie nicht weg: Der Staat kann jederzeit
Zwangsmittel einsetzen – per Mehrheitsentscheid. Einen Arbeitsplatz kann man
immer wechseln, einen Staat nur schwer. Das ist die Herausforderung des
Freisinns [und nicht minder der deutschen FDP, DDH]. Für staatstragend
auszugeben, was bloss ideologischer Verirrung entspricht, wird auf Dauer die
liberalen Wähler nicht bei der Stange halten. Staatstragend und liberal sind
im Grunde Gegensätze. Die FDP muss den Staat nicht tragen, er überlebt auch
ohne sie gut genug.“
Oder, wie es der liberalste
Schweizer Nationalrat und ehemalige TV-Journalist Filippo Leutenegger in einem
Slogan komprimiert: „Mehr Schweiz – weniger Staat!“
Dafür stehen auch Namen wie
Thomas Jefferson, Wilhelm von Humboldt, Herbert Spencer und Ludwig von Mises,
die einen unangepaßten und dissidenten Liberalismus vertraten, der sich
fundamental vom Wischi-waschi-Liberalismus derjenigen unterschied und bis heute
unterscheidet, die ihren Frieden mit dem zentralen National- oder gar
Supranationalstaat geschlossen haben und dessen wohlfahrtsstaatliche Expansion
nach innen und militär-interventionistische Expansion nach außen wo nicht nach
Kräften fördern so doch zumindest erdulden.
Der allgemeinen Verwirrung und
sprachlichen Disziplinlosigkeit der heute vorherrschenden Exponenten liberaler
Politik ist es geschuldet, dass auch und gerade in der Europapolitik vonseiten
liberaler Parteien völlig inkonsistente und mit der Geistestradition des
Liberalismus unvereinbare Positionen eingenommen und höchst fragwürdige Ziele
angestrebt werden. Der progressive Identitätsverlust der Liberalen, der sich in
der Schweiz etwa am Niedergang des altehrwürdigen Freisinns (FDP) ablesen lässt,
oder auch in der bizarren Redaktionspolitik der „Neuen Zürcher Zeitung“ in Bezug
auf die Haltung gegenüber der EU, wo nicht mehr gefragt wird, was aus liberaler
Sicht ordnungspolitisch geboten sei sondern nur noch reflexhaft, was die
gegenteilige Position zu Blochers SVP sei, die als „antieuropäisch“ oder
„populistisch“ zu apostrophieren man sich sogleich geflissentlich beeilt. Dieser
liberale Identitätsverlust ist die direkte und logisch unvermeidbare Folge des
Sieges des Pragmatismus über die eigenen Grundsätze.
Oft ist auch der
denunziatorische Vorwurf zu hören, die Gegner des Brüsseler Einheits-Europas der
Plan-Fetischisten und Sozialingenieure kämen allesamt aus der nationalistischen
Ecke. Dabei müsste dem intellektuell redlichen Betrachter sofort der Unterschied
zwischen nationalistischer und klassisch liberaler EU-Kritik ins Auge springen.
Vielen Politikern ist die Schaffung des „Vereinten Europas“ aus eher suspekten
Motiven heraus wünschenswert. Man erhofft sich, Europas „Stellung in der Welt“,
seine Verhandlungsposition namentlich gegenüber den USA und Japan usw. zu
stärken. Wer so argumentiert, hat nationalistisches Denken nicht überwunden,
sondern lediglich auf eine andere Ebene übertragen. Eine Alternative zum
Nationalismus des 19. Jahrhunderts kann nicht der neue Euro-Nationalismus oder
Euro-Chauvinismus à la Delors, Mitterand et Kohl sein, sondern das aufgeklärt
kosmopolitische Weltbild des klassischen Liberalismus im Geiste von Friedrich
August von Hayek, Ludwig von Mises und Wilhelm Röpke. An die Stelle des
nationalistischen Verteilungskampfes um Fördertöpfe, Vergünstigungen,
Sonderzuwendungen, Ausgleichszahlungen und anderen Formen leistungslosen
Einkommens muss die friedliche und freiwillige Kooperation zu gegenseitigem
Vorteil treten: freie Menschen, die sich auf freien Märkten begegnen. Der beste
Beitrag zur Überwindung des Nationalismus ist die Öffnung des Marktes (nicht
dessen euro-nationalistische Abschottung), denn der Markt an sich ist
kosmopolitisch. Je mehr Handel die Länder miteinander treiben, desto geringer
ist die Gefahr eines Krieges.
Die
Warnung des großen liberalen Sozialphilosophen und Nationalökonomen Ludwig von
Mises vor einem Europäischen Einheitsstaat aus dem Jahre 1927 ist in der Partei
des vorgeblich "organisierten Liberalismus in Deutschland" offenbar in
Vergessenheit geraten:
«Es ist offenbarer Widersinn, die
sich immer mehr und mehr ausbildende Einheit der Weltwirtschaft in kleine
möglichst autarke nationale Wirtschaftsgebiete zu zerschlagen. Aber man kann die
nationalistische Absperrungspolitik nicht dadurch überwinden, dass man an ihre
Stelle die Absperrungspolitik eines größeren Staatsgebildes, das verschiedene
Völker zu einer politischen Einheit zusammenfasst, setzt. Das einzige, was die
Schutzzollpolitik und die Autarkiebestrebungen überwinden kann, ist die
Erkenntnis ihrer Schädlichkeit und das Verständnis für die Interessensolidarität
aller Völker.
Wenn man den Nachweis erbracht
hat, dass die Spaltung der Einheit in kleine autarke Wirtschaftsgebiete
schädlich ist, dann ergibt sich daraus mit Notwendigkeit die Schlussfolgerung,
dass man zum Freihandel übergehen muss. Um zu beweisen, dass man ein
paneuropäisches Schutzzollgebiet zur Erreichung paneuropäischer Autarkie bilden
soll, müsste man erst den Beweis erbringen, dass zwar die Interessen der
Portugiesen und der Rumänen solidarisch sind, dass aber beider Interessen mit
denen Brasiliens und Russlands kollidieren. Man müsste den Beweis erbringen,
dass es für den Magyaren gut sei, die magyarische Textilindustrie zugunsten der
deutschen, der französischen und der belgischen aufzugeben, dass aber die
Interessen der Magyaren durch die Einfuhr englischer oder amerikanischer
Textilwaren geschädigt werden. Die Bewegung zur Bildung von Unionsstaaten ist
aus der richtigen Erkenntnis der Unhaltbarkeit aller chauvinistischen
Nationalpolitik entsprungen. Aber das, was sie an deren Stelle setzen will, ist
undurchführbar, weil es der lebendigen Grundlagen im Bewusstsein der Völker
ermangelt. Und könnte selbst das Ziel der paneuropäischen Bewegung erreicht
werden, dann würde es in der Welt nicht um ein Haar besser werden. Der Kampf des
geeinten Kontinentaleuropa gegen die großen Weltmächte außerhalb seines Gebietes
wäre nicht weniger verderblich als es der Kampf der europäischen Staaten
untereinander ist.»
(zit. aus Ludwig von Mises:
«Liberalismus», S. 129f., neuverlegt als Faksimile bei Academia Verlag St.
Augustin 1998 mit einem Vorwort von Hans-Hermann Hoppe)
Dezentralisierung oder besser:
Nonzentralismus (ein Begriff, den der Schweizer Freiheitsdenker Robert Nef
kreiert hat, um die Entbehrlichkeit einer alles lenkenden und planenden Zentrale
von vornherein deutlich zu machen) gehört genauso wie Marktfreiheit zu den
Kernanliegen des Liberalismus. Das galt und gilt für die Schweiz genauso wie für
die USA, Kanada und Australien. Die Tradition des deutschen Liberalismus dagegen
ist eine zentralistische. Die Nationalliberalen, auf die sich Bismarck zur Zeit
der Reichseinigung in den 1870er Jahren besonders stützte, forderte stets eine“
starke Zentralgewalt“ und bekämpfte erbittert jede Form von „Partikularismus“,
Provinzialismus und Kleinstaaterei.
Erklärbar ist diese Präferenz
des deutschen Liberalismus für die starke Zentrale aus der Historie: von der
Einigung Deutschland erhoffte man sich spätestens seit der gescheiterten
Paulskirchenrevolution von 1848 die Überwindung der Fürstenherrschaft. Eine
Rolle spielte wohl auch, dass die Liberalen, die den gewerbe- und
handeltreibenden Mittelstand repräsentierten, an einem großen Wirtschaftsraum
(gleiche Maße, Münzen, Gewichte, keine Zölle) interessiert waren und dass sie
somit Marktintegration und politische Integration, also
Zentralisierung, miteinander verwechselten. Dieser Fehler wird auch in der
heutigen Europa-Debatte ständig gemacht. Nach orthodoxer Sichtweise gilt
Zentralisierung gemeinhin als „fortschrittlich“, Sezession und Kleinstaaterei
dagegen anachronistisch. Wer Politische Integration (Zentralisierung) und
ökonomische Markt-Integration miteinander nicht als zwei völlig unterschiedliche
Phänomene begreift, verwechselt jedoch Kartoffel mit Pantoffel. Erstere bedeutet
territoriale Ausweitung der staatlichen Macht der Besteuerung und
Eigentumsregulierung (Enteignung). Ökonomische Integration ist dagegen die
Ausdehnung und Ausfächerung der interpersonellen und interregionalen
Arbeitsteilung und Marktbeteiligung. Im Prinzip sind ALLE Regierungen
kontraproduktiv, indem sie Privateigentümer und Markteinkommensverdiener
besteuern und regulieren.
Wer zuzeiten der
Reichseinigung die Verschiedenartigkeit und Mannigfaltigkeit der deutschen
Länder und seine landsmannschaftliche Identität bewahren, und sich somit dem
wilhelminischen Hurrah-Patriotismus entziehen wollte, wurde seinerzeit genauso
kaltschnäuzig als „Reichsfeind“ verfemt wie heute als „Anti-Europäer“ an den
Pranger gestellt wird, wer in den Chor des Hurrah-Europäismus nicht mit
einstimmen möchte.
Ohne an dieser Stelle die
Debatte um das Für und Wider des Euro noch einmal aufbraten zu wollen, lässt
sich jedoch eines festhalten: die Gegner haben recht behalten! Der Euro ist, wie
eine brandaktuelle (von den deutschen Medien allerdings totgeschwiegene) Studie
belegt, eben doch ein Teuro. Prof. Hans Wolfgang Brachinger (Universität
Fribourg) hat im Auftrag des Deutschen Statistischen Bundesamtes einen neuen
Inflationsindex entwickelt, den sogenannten Index der wahrgenommenen Inflation (IWI).
Dieser erfasst die tatsächlich häufig gekauften Produkte und deren
Preissteigerungen. Das Ergebnis: bereits 2002, im Jahr der Umstellung, erreichte
die Inflation in Deutschland 7 Prozent. Und im abgelaufenen Jahr 2005 lag sie
bei 7,4 % und war damit dreimal höher als die amtlich zugegebene
Preissteigerung! Der oft zitierte „Verbraucherpreisindex“ hat mit der realen
Preisentwicklung auch herzlich wenig zu tun! (Quelle: DeutschlandBrief
12/2005, zu beziehen über
www.bandulet.de)
Betrachtet man nicht nur die
realen Wertverluste des medial und regierungsamtlich hochgejubelten Euro,
sondern ungeschminkt die ganze real existierende Europäische Union nüchtern und
ohne politisch korrekte Selbstzensur der eigenen Wahrnehmung, so stellt man
fest, dass diese Institution in der Tat am treffendsten durch die Definition des
liberalen/libertären Wissenschaftstheoretikers Prof. Dr. Gerard Radnitzky
beschrieben wird: „Die EU ist essentiell ein Besteuerungskartell von Staaten
zwecks maximaler Ausbeutung seiner Bürger, ein Gebilde, das tendenziell
freiheitsfeindlich ist.“
Den wenigen hellsichtigen und
couragiert für Markt- und Meinungsfreiheit eintretenden Liberalen in Deutschland
(etwa im Umfeld der Zeitschrift eigentümlich frei www.ef-magazin.de) und
in der Schweiz (zu nennen ist hier vor allem das hervorragende Theoriearbeit
leistende Liberale Institut Zürich,
www.libinst.ch unter der Leitung von Robert Nef und für die Romandie das
Institut Constant, www.institutconstant.ch in Lausanne) sind letzte
Insel-Bastionen des unverfälschten Liberalismus, Inseln der Vernunft in einem
Ozean der Ignoranz und vulgärökonomischen Irrlehren.
Der liberale Freiheitsdenker
Robert Nef stellt der EU und der hinter ihr stehenden Ideologie kein gutes
Zeugnis aus:
„Die Idee der EU ist …
nicht zukunftsweisend, sondern vergangenheitsfixiert. Man will das kurzfristig
gemütliche, langfristig gefährliche merkantilistische Festungs- und Clubdenken
auf europäischer Ebene bewahren und protektionistisch nach außen verteidigen.
Damit soll verschleiert werden, dass die Finanzierung der nationalen
Wohlfahrtsstaaten letztlich auf Pump beruht und nichts anderes ist als eine
große Lüge zu Lasten der nächsten Generationen. Wer demgegenüber Weltoffenheit
fordert und vor dem Beitritt in ein restlos überholtes Club-Konzept der EU
warnt, wird vom Geheul der EU-süchtigen Medien als unbelehrbarer Konservativer
und nationalistischer Isolationist beschimpft. Tatsache ist, dass wir in der
Schweiz anhand von zahlreichen Beispielen erleben müssen, wie man von Brüssel
aus mit Nichtmitgliedern willkürlich und arrogant umgeht.“
Es sei zwar, so Nef,
unangenehm diskriminiert zu werden, aber noch viel weniger sei es angenehm einem
closed shop anzugehören, der Nichtmitglieder diskriminiert – und dies alles
unter dem verlogenen Motto einer „Öffnung“.
Die FDP in der Schweiz wäre
gut beraten, von Zeit zu Zeit auf ihre Vordenker zu hören.
Die oft vonseiten der
Freisinnigen vorgeschützte Behauptung, „die Wirtschaft“ strebe in die EU, ist
schlicht Augenwischerei, zumal die économiesuisse - wie könnte es bei
Verbänden, die zwischen big business und big government
oszlillieren anders sein - eine Veranstaltung wohlbestallter Funktionäre und an
die jeweils herrschende Meinung überangepasster Apparatschiks ist und nicht „die
Wirtschaft“ der vielen kleinen und mittelständischen Unternehmungen, mit deren
Beiträgen sie freilich gewohnheitsmäßig linke Abstimmungskampagnen finanziert.
Natürlich gibt es auch Firmen,
die sich tatsächlich Hoffnungen auf einen allfälligen EU-Beitritt machen. Dass
vor allem jene Firmen besonders EU-begeistert seien, welche auf dem Weltmarkt
Absatzschwierigkeiten haben, weil sie zu teuer oder zu schlecht sind, sollte
einen dabei nicht weiter verwundern. Und diese spekulieren darauf, durch
geschicktes Lobbying in Brüssel EU-Sondervergünstigungen und Subventionen zu
erhaschen, also „Staatsknete abgreifen“ zu können. Und diese handfesten
Interessen an europrotektionistischer Privilegierung auf Kosten anderer
Marktteilnehmer und letztlich der Konsumenten verschleiert man gern hinter
wohltönender Verbalerotik und den dazu vom unvermeidlichen Ringier-Chefideologen
Frank A. Meyer, dem Gottvater der Schweizer Kaviarlinken, frei Haus gelieferten
Fertigsatz-Bausteinen.
Dieser Eindruck wird noch
verstärkt, wenn man einmal bedenkt, dass es heute etwa 3000
Interessenvertretungen mit ca. 10.000 Lobbyisten in Brüssel gibt, deren Zahl
sich seit 1955 mehr als verzehnfacht hat und sich seit 1994 sogar ein Institut
eigens auf die Ausbildung von EU-Lobbyisten spezialisiert hat (das „Institut
Européen des Affaires Publiques et du Lobbying“ in Brüssel). Es gibt da hunderte
von beratenden Ausschüssen, an denen die Vertreter der Interessenverbände
beteiligt sind. Die europäischen Qualitätsstandards und Normen handeln die
Verbände praktisch unter sich aus.
Interessenverbände, die an Politiker herantreten, führen gemäß liberaler Doktrin
nie etwas Gutes im Schilde. Sie fordern drei verschiedene, stets marktfremde und
gemeinschaftsschädigende Leistungen von ihnen:
1.)
Handelsbeschränkungen gegenüber Wettbewerbern (zumeist aus dem
Nicht-EU-Ausland),
2.)
Beschränkungen des inländischen Wettbewerbs und
3.)
Subventionen aus dem Staatshaushalt.
Was etwa die Martkabschottung
angeht, so erinnere man sich hier nur an die zu trauriger Berühmtheit gelangte
EU-Bananenmarktverordnung, die immer wieder von der WTO gerügt wird. Man
erinnere sich ferner an den Quotenzaun gegen japanische Automobile, aus dem für
deutsche Verbraucher und Steuerzahler der größte Schaden erwächst, auch wenn die
veröffentlichte Meinung in Deutschland solche Albernheiten gar als „Sieg
deutscher Wertarbeit“ feiert. Wie bei jedem „Schutz“ (Arbeitnehmerschutz,
Mieterschutz, Bauernschutz, Patientenschutz) ist am Ende der staatlich
„Geschützte“ der Gelackmeierte, ein Faktum, das die Interventionskritik der
„Österreichischen Schule der Nationalökonomie“ (vor allem durch Ludwig von Mises’
bahnbrechendes Werk) schon lange belegt hat. Man denke auch an die dramatischen
Auswirkungen der Handelsbeschränkungen auf Afrika, wo aller dreizehn Sekunden
ein Mensch stirbt, welchen die EU auf dem Gewissen hat, wie folgende Meldung
zeigt:
|
Centre for
the New Europe (CNE) |
11.09.2003 |
|
|
Dritte Welt
leidet unter EU-Handelsschranken |
|
|
Alarmierender Bericht zum WTO-Treffen in Cancun
Nach einer Studie des in Brüssel ansässigen Centre for the New Europe (CNE)
haben die Handelsschranken der EU für die Menschen in den
Entwicklungsländern verheerende Auswirkungen. "Jeden Tag sterben weltweit
6.600 Menschen infolge der Handelsbestimmungen der EU. Dies entspricht 275
Menschen pro Stunde. Alle 13 Sekunden stirbt irgendwo ein Mensch, vor allem
in Afrika, weil die Europäische Union die in Aussicht gestellten
Erleichterungen nicht in die Tat umsetzt", sagte Hardy Bouillon, Head of
Academic Affairs des CNE, anlässlich des Ministertreffens der WTO in Cancun.
"Wenn Afrika seinen Anteil am Welthandel um nur ein Prozent vergrößern
könnte, wüchsen seine Einnahmen jährlich um mehr als 70 Mrd. Euro; genug, um
128 Mio. Menschen aus der gröbsten Armut herauszuführen. Die
EU-Handelsschranken bremsen somit Afrikas Bemühungen um Handelswachstum und
überlassen viele Länder des afrikanischen Kontinents der Armut", kritisiert
Bouillon. Wenn die ärmsten Länder ihren Anteil am weltweiten Export um fünf
Prozent erhöhen könnten, würden sie ihre Einnahmen um 360 Mrd. Euro steigern
und damit Mio. Menschen aus der Armut befreien können. "Die Handelsschranken
der EU sind mehr als ein lästiges Hindernis. Der fehlende Zugang zum
europäischen Markt, und damit zum reichsten Markt der Welt überhaupt, bremst
die Entwicklung der ärmsten Länder dieser Welt. Auf diese Weise sind Mio.
Menschen zum Leben in Armut oder gar zum Sterben verurteilt. Diese Studie
zeigt in einzigartiger Weise, welche Kosten für Afrika aus dem
EU-Protektionismus erwachsen", erklärt Bouillon.
Durch die Marktöffnung von Ländern wie Japan, Hongkong oder Südkorea wuchs
das Investitionsvolumen in diesen Ländern rasch an und brachte ihnen einen
enormen Schub beim Ausbau einer breitgefächerten Industrie. Das Gleiche
könnte nach Ansicht des CNE in den ärmsten aller Länder geschehen. Denn dort
gibt es eine Agrar- und Textilproduktion, die rasch ausgebaut werden könnte:
"Diese Möglichkeit bleibt den meisten dieser Länder verwehrt. Die vier
wichtigsten Handelsblöcke - die Europäische Union, die USA, Japan und
Kanada, verfügen über 75 Prozent des weltweiten Exports. Sie sind die
natürlichen Bestimmungsorte für die Exporte aus den armen Ländern. Doch
während die führenden Handelsnationen ihre Gespräche über
Handelserleichterungen unendlich lang fortsetzen, bleiben ihre Binnenmärkte
für die Agrar- und Textilprodukte der Entwicklungsländer unbarmherzig
verschlossen", führte Bouillon aus.
Der bei weitem reichste Protektionist sei dabei die Europäische Union.
Obwohl die EU moderate Industriezölle habe (fünf Prozent), würden ihre
Agrarzölle weitaus stärker zu Buche schlagen. Durchschnittlich bei 20
Prozent angesiedelt, könnten sie für bestimmte Produkte sogar bei 250
Prozent liegen. "So müssen bolivianische Produzenten mit einem
46-prozentigen Aufschlag auf ihre Hühnchen rechnen, für ihren Orangensaft
liegt der Zoll bei 34 Prozent. Für Textilien gibt es meist sehr strenge
Quoten. Nur für relativ unbedeutende Produkte wie Schirme oder Fallschirme
wurden sie aufgehoben. Doch den Billigtextilien aus den Entwicklungsländen
hat sich der EU-Markt kaum geöffnet", so Bouillon.
|
Quelle:
http://www.innovations-report.de/html/berichte/wirtschaft_finanzen/bericht-21255.html
Neben den von
Wirtschaftswissenschaftlern (jedenfalls von denen, die ihr Salär nicht aus
Brüsseler Töpfen erhalten) heftig kritisierten Anti-Dumping-Verfahren, gibt es
noch unzählige aberwitzige Handelsbeschränkungen, so z.B. eine europäische
Fernsehrichtlinie von 1989, die vorsieht, dass nicht mehr als 40 Prozent der
Filme aus Ländern außerhalb der Union stammen dürfen. Kann man das nicht den
Verbrauchern überlassen? Im Moment wird über europäische Musikquoten diskutiert!
Auch kulturelle Abschottung ist das Strukturmerkmal der angeblich so weltoffenen
Europäischen Union.
Südafrika wurde im Jahr 2000 per Handelsvertrag verpflichtet, seinen Sherry
nicht mehr Sherry und seinen Grappa nicht mehr Grappa zu nennen. Und da man
gerade einmal dabei war, „ihnen den Tarif durchzugeben“, bestand man auch gleich
noch darauf, dass sie keinen Ouzo, keinen Jagertee und keinen Korn exportieren
dürfen – obwohl den Südafrikanern diese Getränke völlig fremd sind und sie in
Südafrika nicht einmal hergestellt werden. Wenn häufig von der „Festung Europa“
die Rede ist, so muss man sagen: die europäischen Verbraucher sitzen in
Festungshaft. Unbefristet. Sie werden zur Beute der Produzentenverbände.
Ein unabhängiger
amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler hat errechnet, dass 78 Prozent der
gesamten europäischen Gesetzgebung der Befriedigung von Interessengruppen dient.
Die EU – ein El Dorado korporatistischer Mauschelei und Privilegienwirtschaft.
Sicher verdanken wir der EU
auch eine ganze Reihe segensreicher Liberalisierungen (im
Telekommunikationsmarkt, im Strommarkt), wo nationalstaatliche Defekte einer
verfehlten Wirtschaftspolitik korrigiert worden sind. Langfristig jedoch erweist
sich die Liberalisierungsverpflichtung als Vehikel der Euro-Bonzokratie,
nationalstaatliche Kompetenzen an sich zu ziehen und auf europäischer Ebene dann
rigorosen Zentralismus und französische Planifikationsvorstellungen zu
verwirklichen, v.a. im Verhältnis zu Drittstaaten. Gerade in Groß-Räumen ist die
Versuchung zur Autarkie, die ja gerade von nicht-ökonomischen Faktoren bestimmt
wird, viel zu groß. Und damit sind bekanntlich tiefe wirtschaftsregulierende
Staatseingriffe verbunden. In einem System von Klein- und Mittelstaaten sind die
Staaten zu internationalem Handelsaustausch verurteilt, weil sie selbst nicht
über die nötigen Ressourcen allein verfügen.
Wie ist es nun um diese
Freiheit in der von vorgeblich liberalen Politikern aus Deutschland und der
Schweiz so heiß und innig geliebten Europäischen Union bestellt? Wer ist der
Gewinner der europäischen Zentralisierungsspirale: der Staat oder der Bürger?
Und wer kontrolliert letztlich wen? Erstickt die europäische Umverteilungs- und
Subventionspolitik nicht jeden Anreiz wirtschaftlich aus eigener Kraft
erfolgreich zu sein? Erzeugt oder befördert die EU-weite „Harmonisierung“ und
Gleichmacherei wirklich Frieden und Harmonie? Ist immer stärker ausgreifende
Nivellierung und jede Eigeninitiative erstickende bürokratische Detailregelung
aller Lebensbereiche und aller Interaktionen zwischen Produzenten und
Konsumenten mit dem erz-liberalen Wettbewerbsgedanken („Wettbewerb als
Entdeckungsverfahren“ nach Hayek) vereinbar? Ist die totalitäre
Verbraucherschutz- und Antidiskriminierungspolitik nicht ein armseliges Dementi
des ursprünglichen Postulats vom „mündigen Bürger“? Ist die Anmaßung, mit der
hier „überstaatlicherseits“ in die Privatautonomie und Vertragsfreiheit der
Unions-Bürger eingegriffen wird, nicht eine Fortsetzung des östlichen
Kommando-Sozialismus Moskauer Provenienz, vielleicht mit einer etwas „weicheren“
einlullenden Rhetorik ausgekleidet, aber nicht minder tiefgreifend? Führen
demokratische Mehrheitsentscheidungen – die oft als Ausweg aus dem Rätewirrwarr
vorgeschlagene „Demokratisierung“ – bei einer heterogenen Bevölkerung auf dem
Kontinent zu einer friedlichen Konfliktlösung oder doch eher zu einer
Konfliktverschärfung? Ist Steuerwettbewerb, den die Eurokratie sich gerade
abzuschaffen bemüht (und dabei auch vor imperialen Drohgebärden gegenüber dem
Nicht-Mitglied Schweiz nicht zurückschreckt), nicht ein Freiheitsgarant für die
Bürger, um deren Gunst die jeweiligen Gebietskörperschaften konkurrieren müssen,
und ein wichtiges Signal an die Regierenden, ihre Fiskalpolitik an der Realität
der ökonomischen Erfordernisse auszurichten und Grenzen der Belastbarkeit nicht
zu überschreiten?
In der Schweiz wirkt sich der
Steuerwettbewerb z.B. dadurch aus, dass der Bürger in Zug nur etwa die Hälfte
dessen zahlt, was der Fiskus in Bern oder Genf kassiert. Und demnächst wird der
Bürger in Obwalden noch weniger zahlen. Ein Paradebeispiel dafür, wie
segensreich Wettbewerbsföderalismus, der den Regierenden Selbstbeschränkung
abverlangt sich für die Regierten ganz handfest auszahlt. Dieses Prinzip
(Systemwettbewerb im Steuerrecht und im Besteuerungsgrad, der auch immer
zugleich ein Entmündigungsgrad ist) wird derzeit von vor allem
deutsch-französischer Seite auf europäischer Ebene erbittert bekämpft. Niedrige
Steuern wirken wie eine effiziente lokale Gewerbeförderung. Das ahnt
möglicherweise auch die kantonale SP in Obwalden, die wohlweislich auf
Sicherheitsabstand zur Mutterpartei geht, die ursprünglich gegen eine
fiskalische Entlastung der Obwaldener Bürger das Referendum ergreifen wollte,
aber dafür niemanden fand, der sich als billiger Jakob gegen seine Mitbürger
einspannen lassen wollte, was mich offen gestanden sehr amüsierte. Dies Beispiel
zeigt auch, wie heilsam auf Ebene überschaubarer Regelkreisläufe (Gemeinde,
kleiner Kanton) die soziale Kontrolle bisweilen funktioniert und wie diese die
ihr Unterworfenen, völlig ohne obrigkeitsstaatliche Eingriffe, davor bewahrt,
Dummheiten zu begehen.
SP-Chef Hans-Jürg Fehr sprach
in diesem Zusammenhang von einer faktischen Außerkraftsetzung der Demokratie.
Das Gegenteil ist richtig, wenn man unter self government versteht, dass
dem freien Bürger auch die Abstimmung mit den Füßen und Konten zur Verfügung
steht. Wenn Besteuerung und Regulierung im eigenen Land überhand nimmt, können
die Bürger ausweichen, indem sie im Ausland einkaufen und im Ausland
investieren. Wenn der Staat das Geld durch schlampige Geldmengenpolitik
entwertet – also mit „Inflationssteuer“ belegt – können die Bürger verstärkt in
ausländische Währungen gehen. Wenn es ganz hart kommt, können sie ihren
steuerlichen Wohnsitz ins Ausland verlegen oder sogar ganz auswandern.
Abstimmung mit dem Portemonnaie, dem Kapitalvermögen und zum Schluss mit dem
Möbelwagen.
Weil in den etwa 3000
Schweizer Gemeinden fiskalische Kompetenz und Haftung für den Etat sich
weitgehend decken, agieren sie auch so haushälterisch wie ein guter
Familienvater. Etwa 82 Prozent der Ausgaben bestreiten sie aus eigenen
Steuereinnahmen (in Deutschland nur ein Drittel). Der Bund zahlt keine Zuschüsse
für aufwendige Schwimmbäder, deren Folgekosten dann den Etat aufzehren.
Sowohl die Kantone als auch
die Kommunen haben „Biss“, nämlich eine eigene Steuerhoheit, dazu kommen
weitgespannte Rechte der kleineren Einheiten, wegen deren starken Kompetenzen
nicht einmal der Schweizer Binnenmarkt vollständig verwirklicht werden konnte.
Verschiedenheit wird als Chance, nicht als zu überwindende Disparität begriffen.
Die dadurch gesteigerten Freiheitsspielräume und Wahlmöglichkeiten wiegen auch
die manchmal noch vorhandenen Transaktionskosten und Effizienzminderungen auf.
Lebensqualität lässt sich eben nicht in betriebswirtschaftlichen Kategorien
ausdrücken!
Der scheinbare Luxus der
Fragmentierung der Schweiz in 26 Kantone und 3000 Gemeinden kommt die
Stimmbürger aber weit billiger als die staatsfinanzierte Parteienoligarchie und
Pfründewirtschaft eines verfilzten verbürokratisierten Beamtenstaates, wie wir
ihn beispielsweise in Deutschland haben.
Von Ronald Reagan stammt der
Ausspruch, entweder der Bürger kontrolliert den Staat oder es läuft umgekehrt.
In der EU ist uns das nicht erst seit den Orwellianische Dimensionen annehmenden
sogenannten „Anti-Terror-Gesetzen“ schmerzlich bewusst. Dem Kampf gegen den
Terror fällt in Deutschland auch schon mal das ohnehin sehr löchrige
Bankgeheimnis zum Opfer, wodurch jetzt jeder inferiore kleine Finanzbeamte auf
meinem Konto herumstöbern kann, wenn ihm gerade danach ist. In der EU wie auch
in den meisten Mitgliedstaaten verstehen sich die Politiker nicht als Diener des
Willens des Bürgers sondern gebärden sich als dessen Herren, als hochfahrende
Duodezfürsten im schlimmsten, als sozial-therapeutische, entmündigende
Erziehungsberechtigte im günstigsten Falle.
Vor allem im national
verunsicherten Deutschland sind Tendenzen sichtbar, die EU nach dem Vorbild
eines zentralisierten Nationalstaats zu einem Supranationalstaat (und damit für
Deutschland zu einem Ersatzvaterland) auszubauen.
Die EU ist derzeit ein
staatsrechtliches Phänomen sui generis, ein seltsames Fabelwesen, welches den
Gelehrten der Politikwissenschaft und der Staatsrechtslehre Rätsel aufgibt. Ihr
fehlen wesentliche Qualifikationsmerkmale zur Staatlichkeit, aber seltsamerweise
auch ein geregeltes Austrittsrecht. Diesen neuralgischen Punkt, ein
„würdevolles“ und friedliches Austrittsverfahren (sowohl aus Teilbereichen wie
etwa der Währungsunion als auch aus der EU im Ganzen) verfassungsrechtlich zu
verankern, spricht auch der liberale Volkswirt Prof. Dr. Roland Vaubel in seinem
überaus lesenswerten Buch „Europa-Chauvinismus. Der Hochmut der Institutionen“
an.
Die von den Franzosen und
Niederländern mit Recht (wenn auch im Falle Frankreichs aus verquerer
Argumentation heraus gegen das „angelsächsische Wirtschaftsmodell“) abgelehnte
Euro-Verfassung enthielt immerhin ein solches Austrittsrecht. Dieses ist auch
ungeachtet aller weiteren Diskussionen für und wieder EU-Verfassung dringend
geboten! Was den Fortgang dieser Debatte anbelangt, bin ich persönlich nach Lage
der Dinge wenig hoffnungsvoll. Die Gefahr weiterer Zentralisierungsschübe im
Getriebe einer Verfassungsdiskussion ist außerordentlich akut, denn dass unsere
Europapolitiker, die einen solchen Verfassungsvertrag beim nächsten Anlauf zu
entwerfen hätten dies auf liberal-minimalstaatlicher Grundlage täten und sich
damit gleichsam selbst entmachteten erscheint mir ungefähr so wahrscheinlich,
wie eine Wildente, die für die Verlängerung der Jagdsaison demonstriert.
Vor dem Hintergrund dieser
Exzesse von Macht- und Machbarkeitswahn des „Turmbaus zu Brüssel“ ist die
Rückbesinnung auf die eigenen Werte und Traditionen der Schweiz, auf das, was
Prof. Gerd Habermann die „komparativen Vorteile des Kleinstaats“ nennt, das
einzig Vernünftige. Die Schweiz war und ist eine Zufluchtsstätte für geistige
Unabhängigkeit genauso wie ein sicherer Hafen, in welchen die Bürger der
umliegenden fiskalterroristischen Groß-Staaten ihre Habseligkeiten vor dem
Zugriff des die Früchte ihrer Arbeitsleistung verschlingenden Leviathans retten
können.
Noch heute steht die Schweiz
im Großen und Ganzen wie zu Zeiten Wilhelm Röpkes für Maß, Mitte, Besonnenheit,
wirtschaftlichen Sinn, Sachlichkeit und Realitätsnähe und vor allem Achtung vor
dem Privateigentum. Die Sozialindustrie ist hier noch nicht der expandierendste
und wachsende Tantiemen abwerfendste Wirtschaftszweig wie etwa beim nördlichen
Nachbarn. Hier wäre nach einem EU-Anschluss mit einer Annäherung an europäische
Verhältnisse zu rechnen.
Würde die Schweiz sich der EU
anschließen, ginge sie all ihrer komparativen Vorteile verlustig. Ihre
internationale Mittlerrolle bei Konflikten, ihr sprichwörtlich „neutraler
Boden“, der sie für Friedensverhandlungen verfeindeter Parteien prädestiniert
erscheinen lässt, ginge ebenfalls verloren, je stärker die EU auch im militär-
und sicherheitspolitischen Bereich zusammengeschnürt wird. Wie Robert Nef schon
sagte:
„Je verbindlicher in
der EU die gegenseitigen militärisch-polizeilichen Interventionsverpflichtungen
bei innenpolitischen Konflikten vereinbart werden (als Baustein jener
gemeinsamen Aussen- und Sicherheitspolitik, die zwar seit Maastricht
traktandiert ist, von der aber erstaunlich wenig Konkretes vorliegt), desto
höher steigt das zwischenstaatliche Konfliktpotenzial, das allenfalls eine
Nachfrage nach „guten Diensten“ [eines neutralen Dritten, DDH] auslöst.
Die
Wirksamkeit der Neutralitätsmaxime ist von ihrer Glaubwürdigkeit abhängig, und
Glaubwürdigkeit kann man „von aussen“ nur erwarten, wenn man überzeugend
auftritt und sein Anliegen mit guten Argumenten kommuniziert. Aus diesem Grund
muss sich eine selbsternannte neutralitätsskeptische Elite in der Schweiz sehr
wohl bewusst sein, welche Verantwortung sie übernimmt und welchem
Demokratieverständnis sie verpflichtet ist, wenn sie gegen den Willen einer
Mehrheit und im Widerspruch zu den derzeit in Kraft stehenden
verfassungsrechtlichen Grundlagen diesbezüglich deutlich andere Signale
ausstrahlt.“
Die Schweiz müsste sich
fernerhin dem außenwirtschaftlichen Handelsblockade-Regime der EU beugen und den
in ihrem eigenen Interesse liegenden Freihandel aufgeben. Unvermeidlicherweise
käme es auch zu Steuererhöhungen (etwa der Mehrwertsteuer auf zwischen 15 und 25
Prozent) und somit zu einer Erhöhung der Produktionskosten und damit zu einem
weiteren Druck auf die Löhne. Ebenso geriete die Schweiz in den Sog der
gigantischen Verschuldung der öffentlichen Haushalte in der EU, was wiederum
Zinserhöhungen nach sich zöge. Sie opferte ihre Selbstbestimmung gegen die
Chimäre einer in concreto wertlosen „Mitbestimmung“, zumal bei fortschreitender
politischer Integration und dem damit verbundenen Übergang zu
„Mehrheitsentscheidungen“ als Regelfall.
Die gesunde Distanz zu Welt-
und Machtpolitik, an der es in unserer leidvollen Geschichte selbst
ausgewiesenen Liberalen in Deutschland stets mangelte, war immer ein
Markenzeichen der Schweiz. Hier liegt eine ihrer Stärken. Dass ich immer, wenn
ich hier zu Gast bin, historisch gewachsene, intakte, und nicht etwa durch
Bombennächte oder Häuserkämpfe vernarbte, Stadtbilder bewundern kann, lässt mich
diesen Vorzug als größte Friedensleistung eines europäischen Volkes anerkennen,
dessen Wert man nicht hoch genug veranschlagen kann!
Die Schweiz ist auch das am
wenigsten durch Staatsvorsorge verproletarisierte Land Europas. Rassen-Unruhen
von importiertem, desintegrativem, herumgammelndem, post-industriellem
Lumpenproletariat aus künstlich geschaffenem Trash-Milieu, in Dimensionen wie
wir sie Ende letzten Jahres in der Banlieue, den Ghettos von Paris
oder zuvor in Birmingham beobachten mussten, wären, trotz allen Schwierigkeiten,
die assimilationsunwillige Zuwanderer vom Balkan auch hierzulande bereiten, doch
noch für lange Zeit undenkbar. Auch von latent bürgerkriegsgeneigten
holländischen Zuständen ist die Schweiz – Gott sei Dank – noch meilenweit
entfernt!
Dass die EU eklatant gegen das
in der Schweiz geheiligte Demokratieprinzip verstößt, ist allgemein bekannt. Der
Hauptgrund ist, dass die Gesetzgebung nicht vom Volk oder von den von ihm
gewählten Vertretern, sondern von zwei Exekutivorganen (Rat und Kommission)
kontrolliert wird, die auch noch hinter verschlossenen Türen beraten und die
nicht einmal bekannt geben müssen, wer wie abgestimmt hat. Leider kommt es dabei
auch nicht zu Durchstechereien, wie sie etwa beim Schweizer Bundesrat
inzwischen gang und gäbe sind, wo anschließend dann wenigstens der „Blick“ weiß,
wer für und welcher hasenfüßige Halbbundesrat nun wieder gegen die Rücknahme
etwa des EU-Beitrittsgesuchs (und damit gegen seine Partei und die Volksmeinung)
gestimmt hat. Damit verbunden ist natürlich auch eine Verletzung des
Gewaltenteilungsprinzips, schon dadurch, dass eine Bürokratie ohne Auftrag oder
Zustimmung einer Regierung oder eines Parlaments das alleinige Vorschlagsrecht
für den Gesetzgebungsprozess hat, und gleichzeitig auch darüber befindet, wie
über ihre Vorschläge abzustimmen ist (mit qualifizierter Mehrheit oder
einstimmig). Der Rat fungiert als Exekutive als alleiniger Gesetzgeber!
In der Wettbewerbs- und Außenhandelspolitik maßt sich die Kommission gar
judikative Aufgaben an: sie führt Ermittlungen, spricht Unternehmen der
Wettbewerbsverletzung schuldig, verhängt Geldbußen, Anti-Dumping-Zölle und
Preisverpflichtungen – das alles mit der Folge einer Politisierung rechtlicher
Entscheidungsprozesse. Die Kommission kontrolliert einerseits die Subventionen
der Mitgliedsländer, vergibt aber selbst welche im Rahmen ihrer Industrie- und
Regionalpolitik.
Wie wichtig die subsidiäre
Rückverlagerung der Kompetenzen nach unten ist, zeigt nicht zuletzt das
grandiose Scheitern der Europäischen Asyl- und Einwanderungspolitik. Um dem
Einwanderungsproblem die Sprengkraft zu nehmen, ist alles zu tun, um den
Gemeinden wieder das Kooptationsrecht zu geben. Ich bekenne freimütig, dass ich
im Gegensatz zum Lausanner Bundesgericht das Schweizerische Einbürgerungsrecht
für weltweit vorbildlich und nachahmenswert halte! Diejenigen die auf Gedeih und
Verderb den Neubürgern ausgeliefert sind, müssen selbst darüber befinden dürfen,
wer zuziehen darf. Erfolgt die Zustimmung der Gemeindebürger, ist mit jenem
Vertrauensverhältnis und Verantwortungsgefühl zu rechnen, das die Eingliederung
des Fremden wesentlich erleichtert. Die Schweiz ist noch heute das beste
Beispiel dafür, dass sich heimatliche Verbundenheit, nonzentrale
Entscheidungsfindung und Weltoffenheit wechselseitig verstärken. Durch kein
Antirassismus-Gesetz oder Antidiskriminierungsgesetz oder wie die ganzen
unsäglichen Beispiele von staatlicher Gesinnungsjustiz heißen mögen, kann jenes
Klima der Toleranz geschaffen werden, das der Immigrant für eine menschenwürdige
Existenz benötigt. Wer jedoch oft pseudoliberal der „freien Einwanderung“ das
Wort redet, meint in Tat und Wahrheit nichts anderes als staatlich erzwungene
Integration, was sich mit klassisch liberaler Eigentumstheorie niemals
vereinbaren lässt, wie Professor Hans-Hermann Hoppe zeigt.
(siehe:
http://www.lewrockwell.com/orig/hermann-hoppe1.html und auch hier:
http://www.hanshoppe.com/publications/trans/ZZ_28_2005_Seite-04+05.pdf und
hier:
http://www.libertaere-liste.de/konstanz/einwanderung.htm)
Lebendige und evolutorische
Prozesse und spontane Ordnungen nach dem Verfahren „trial and error“ sind
den Brüsseler Plan-Strategen jedoch maßlos zuwider. Diese Eurokraten blicken mit
ihren Interessen an Einfluss- und Einkommensmaximierung nur noch hochmütig auf
die europäischen Völker als deren Herren und Souveräne herab: aus der Brüsseler
Vogelperspektive der Heimatlosen. Es gilt, Europa vor den Eurokraten zu retten.
Der größte zurzeit lebende
Freiheitsdenker, der deutsch-amerikanische Volkswirtschaftler und
Sozialphilosoph Hans-Hermann Hoppe, hat in einer bemerkenswerten Studie
untersucht, dass Staaten (territoriale Zwangs-Monopolisten mit dem Zweck
institutionalisierter und kontinuierlicher Eigentumsübergriffe und Ausbeutung)
immer nach Expansion streben, nach innen (Besteuerung) ebenso wie nach außen
(territoriale Expansion). Die Konkurrenz zwischen Staaten ist somit ein
tendenziell eliminierender, dessen logischer Endpunkt der Weltstaat wäre.
Für
Hoppe ist es kein Zufall, dass der Kapitalismus erst unter den Bedingungen
extremer politischer Dezentralisierung aufblühte: in den norditalienischen
Stadtstaaten, in den sezessionistischen Niederlanden, im südlichen Deutschland.
Politischer Wettbewerb der Systeme ist daher ein viel effektiveres Instrument,
den natürlichen Antrieb einer JEDEN Regierung, ihre ausbeuterischen Kräfte
auszudehnen, zu beschränken! Es ist in jedem Fall wirkungsvoller, als der
kindlich anmutende Glaube vieler Liberaler (etwa der Public-Choice-Theoretiker),
ein liberales Verfassungsmodell mit Beschränkungen könnte auch nur annähernd den
Leviathan bändigen. Liberale Verfassungsschranken allein sind wirkungslos.
Selbst die Schweiz hat sich trotz dieser Schranken von einem Minimalstaat
(Staatsquote 3 Prozent Mitte des 19. Jahrhunderts) zu einem Staatswesen mit
beinahe 50 Prozent Staatsquote entwickelt. Wie Radnitzky so schön zu sagen
pflegt: Die Verfassung ist ein Keuschheitsgürtel, zu dem die Lady selbst den
Schlüssel besitzt.
Möglichst viele unabhängige,
selbstständige, politisch autonome Territorien zu haben, die politisch autonom
und wirtschaftlich in einen freien Weltmarkt integriert sind, ist deshalb das
erklärte Ideal der Libertären, allem voran ihres spiritus rectors Hoppe.
Sezessionismus ist für uns kein Anachronismus sondern im Gegenteil, im
Angesicht des Zusammenbruchs des Sowjet-Imperiums sehen wir in den
regionalistischen und separatistischen Bewegungen in ganz Europa die potentiell
fortschrittlichsten Kräfte. Schließlich, so Hoppe, fördere die Sezession die
ökonomische Entwicklung. „Der Prozess der weltweiten Zentralisierung hat zur
Bildung eines internationalen US-dominierten Kartells der Migrations-, Handels-,
und Papiergeldverwaltung geführt, zu immer bedrückenderen und belastenderen
Regierungen, zu globalisiertem Wohlfahrts- und Kriegsführungs-Etatismus und zu
ökonomischem Stillstand oder sogar sinkenden Lebensstandards. Sezession, wenn
sie ausreichend Verbreitung fände, könnte all dies ändern. Die Welt würde aus
Zehntausenden unterschiedlicher Länder, Regionen und Kantonen bestehen sowie aus
Hunderttausenden unabhängiger freier Städte wie den gegenwärtigen “Kuriositäten“
Monaco, Andorra, San Marino, Liechtenstein und Singapur... Es wäre eine Welt
unerhörten Wohlstandes, Wirtschaftswachstums und kulturellen Fortschritts“.
(Weiterführende Literatur:
Hans-Hermann Hoppe: „Demokratie. Der Gott, der keiner ist“, Edition Sonderwege
bei Manuscriptum, Leipzig 2003)
Ein erster Schritt auf dem Weg
in diese – zugegebenermaßen kühne – Hoppesche Vision wäre die Schaffung eines
Europas freier Bürger anstelle der alptraumhaften Horrorvision einer Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken Europas (UdSSE) mit kontinentweiter
Umverteilung als Generalregel, wie sie in kranken Eurokratenhirnen ausgebrütet
wird. Nur ein offenes System mit Wettbewerb auf allen Ebenen (Steuersysteme,
Unternehmensformen, Währungen, Arbeitsbeziehungen etc.) kann die Achtung
privater Rechte gewährleisten und damit Wohlstand und Freiheit.
Der leider viel zu früh
verstorbene Ökonom Wolfram Engels drückte es einmal so aus:
„Die ökonomische
Überlegenheit der USA wurde mit ihrer Größe erklärt. Derselbe Gedanke stand bei
der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft Pate. Die Realität zeigt
indes ein anderes Bild: Die Zwergstaaten sind wirtschaftlich erfolgreicher als
ihre Konkurrenten: Monaco, Liechtenstein, Hongkong, Singapur, Schweiz,
Luxemburg. Seit Gründung der EWG ist die europäische Wirtschaft nicht nur
langsamer gewachsen als davor, sondern auch langsamer als der Durchschnitt der
OECD-Länder.
Die europäische Kultur ist die erfolgreichste der
Weltgeschichte – nicht obwohl, sondern weil Europa in so viele kleine Länder
zerstückelt war, die untereinander im Wettbewerb standen. Dort, wo der
Wettbewerb der Staaten ausblieb – in den großen alten Kulturen von China und
Indien – sklerotisierte sich die Gesellschaft“ (Engels 1989)
Um diese Mannigfaltigkeit und
damit Zukunftsfähigkeit Europas zu erhalten, ist es entscheidend, dass das
erfolgreichste und noch immer freiheitlichste Gemeinwesen Europas, die Schweizer
Eidgenossenschaft, mit ihrer einzigartigen Verfassungskultur, vor der ich, ein
Untertan im deutschen Obrigkeitsstaat, mich in Demut verneige, ihre
Unabhängigkeit, ihre Eigenständigkeit und ihre uneingeschränkte Freiheit
bewahrt. Für dieses Ziel, welches sich meine Freunde von Young4FUN aufs Panier
geschrieben haben, lohnt es sich auch für mich als Nicht-Schweizer und als
Radikalliberaler allemal zu kämpfen. Darum werde ich auch in Zukunft ideelle und
darüber hinausgehende Unterstützung leisten, damit Ihr nicht auch noch in die
Hände der bürgerfernen und machtarroganten Brüsseler Technokratenclique geratet!
Lasst uns gemeinsam den Totengräbern der europäischen Freiheit die Schaufel aus
der Hand nehmen!!!
Weiterführende Literatur zur liberalen Kritik an der EU:
Roland Vaubel: "Europa-Chauvinismus. Der Hochmut der Institutionen",
Universitas Verlag München 2001
http://www.liberalia.com/htm/MS_DOWN_WITH_EU.htm
Diverse
Aufsätze von Prof. Dr. Gerard Radnitzky auf
www.radnitzky.de